Vorschau
Orientierung
Zum Welttag der Toilette

Ein Ort, der Leben rettet

Donnerbalken, Klosett, stilles Örtchen, WC … die Orte, die der Mensch für sein „Geschäft“ besucht haben vielfältige Namen. Sie selbst und das, was auf ihnen geschieht, wird häufig nur in Umschreibungen benannt. Doch ihre Bedeutung für die Gesellschaft und die öffentliche Gesundheit sind kaum zu überschätzen.

Toilettengeschichten

Erste Toiletten mit Wasserspülung sind schon aus der Antike bekannt. So nutzte etwa die römische Kultur Latrinen, bei denen Wasser unter den Sitzen entlang floss und die Ausscheidungen wegspülte.

Das freilich ist eher für Städte und für die Gebäude der Wohlhabenden nachgewiesen. Die häufigste Form der historischen Toilette ist eine Sickergrube, die mit einem Abort verbunden war oder ein Nachtstuhl, also ein Sitz mit einem Loch und einem Eimer darunter.

Die Geschichte der heute im Westen dominierenden Toilette, dass Wasserklosetts, beginnt 1596. Die erste Version erfand der Engländer John Harington. Doch empfand seine Zeit keinen Bedarf danach und so geriet sie in Vergessenheit. 1775 erhielt dann der schottische Erfinder Alexander Cumming das Patent für seine Ausführung einer Toilette mit Wasserspülung. Von da an gab es bis 19. Jahrhundert hinein zahlreiche Installationen für eine saubere, möglichst geruchslose Entsorgung.

Doch trotz der eindeutigen Vorteile der Methode dauerte es lange, bis sie sich durchsetzte. In Deutschland verbreitete sich die Toilette mit Wasserspülung in den Städten erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als in den Häusern fließendes Wasser und Kanalisation üblich wurde. Auf dem Land dagegen blieb das Plumpsklo noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg üblich, also die Entsorgung in eine Sickergrube.

In Nord und Westeuropa sowie den Vereinigten Staaten ist die Sitztoilette die übliche Form. In Südeuropa, Asien und in islamischen Ländern ist dagegen die Hocktoilette verbreiteter. Sie besteht aus einem Loch oder einer Rinne, die in den Boden eingelassen ist. Daher findet kein direkter Kontakt zwischen dem Körper und der Toilette statt, was häufig als besonders hygienisch empfunden wird.

Der wichtigste Beitrag zur Gesundheit

Das Thema einer hygienischen Toilette ist keineswegs banal. Noch immer sterben weltweit jährlich ca. 500.000 Kinder im Alter von unter fünf Jahren an Krankheiten wie Diarrhö und Cholera, die durch schlechte Sanitärversorgung, schmutziges Wasser und unzureichende Hygiene ausgelöst werden.

Schon 2007 veröffentlichte das British Medical Journal Ergebnisse einer Studie, nach der hygienische Toilettenanlagen der bedeutendste Beitrag zur Gesundheitsversorgung in den vergangenen 200 Jahren waren. Wenigstens in den Industrienationen konnten damit Krankheiten wie Cholera praktisch eliminiert und das Auftreten von Diarrhö immens reduziert werden.

Aus diesem Grund gehört es zu den Nachhaltigkeitszielen der UN, dass alle Menschen bis 2030 mit hygienischen Toilettenanlagen versorgt werden sollen; d. h.: Jeder Mensch ohne Ausnahme soll zu Hause, in der Schule oder an seinem Arbeitsplatz Zugang zu einer sauberen Toilette haben.

Das ist selbst in Deutschland nicht selbstverständlich. So gibt es in vielen deutschen Städten kaum zugängliche Toiletten für Obdachlose, die dadurch auf die Hilfsbereitschaft von Restaurant- und Kaffeebesitzern angewiesen sind. Auch für Menschen mit Behinderung sind Toiletten, die sie uneingeschränkt nutzen können, im öffentlich Raum keinesfalls immer zugänglich.

In Entwicklungsländern ist die Lage deutlich dramatischer. In Indien etwa verrichten nahezu 50 Prozent der Menschen ihre Notdurft im Freien, in Subsahara-Afrika haben gerade einmal 30 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sicheren Toiletten innerhalb ihres Hauses.

In vielen Ländern gibt es zudem einen Zusammenhang zwischen Bildungsgerechtigkeit und Sanitäranlagen: öffentliche Schulen, die über ausreichend Sanitärversorgung verfügen, werden von Mädchen häufiger besucht.

Entsprechend wird immer noch am Thema Toilette intensiv geforscht. Ende August diesen Jahres stellte die Bill & Melinda Gates Foundation zusammen mit Samsung eine Toilette vor, um die Lage in Entwicklungsländern zu verbessern. Die Toilette soll laut Angaben der Stiftung mit minimalem Stromverbrauch funktionieren und muss nicht an eine Wasserleitung oder einen Abwasserkanal angeschlossen sein.

So bleibt das Stille Örtchen nicht nur eine Aufgabe für jeden jeden Tag, sondern auch der gesellschaftlichen Entwicklung.