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Mazenodfamilie
Missionare schreiben

Impulse geben und zuhören können

Seit über dreißig Jahren beschäftige ich mich als Oblate mit der Medienarbeit und im nächsten Oktober sind es 27 Jahre, die ich für einen großen privaten Radiosender in Süddeutschland tätig bin. Heute möchte ich gerne von meiner Nebentätigkeit erzählen, denn eigentlich arbeite ich als Seelsorger in einer Pfarreiengemeinschaft (Seelsorgeeinheit Bussen) in Oberschwaben.

Erste Gehversuche in den Medien

Als ich 1980 ins Nikolauskloster bei Neuss kam, um als Spätberufener mein Abitur nachzumachen, kam ich in eine lebendige und vielschichtige Hausgemeinschaft. Tagsüber wurde von uns Studierenden die Hausarbeit erledigt, es wurde renoviert, der Park musste gepflegt werden – und vieles mehr. Am Abend ging es zum Abendgymnasium, um das Abitur nachzumachen. Über 40 junge Männer lebten zeitweise dort für mehrere Jahre. Viele Studierende spielten Instrumente und so entstand ein Blasorchester unter der Leitung von Michael Förtsch: „Die Fidelen Musikanten aus St. Nikolaus“. Qualität und stimmungsvolle Musik brachten bald einen guten Bekanntheitsgrad. So konnte auch Werbung für das Nikolauskloster und für das Anliegen des Studienhauses unter Leitung von Pater Heinrich Mayer gemacht werden, nämlich die Förderung von „Priester- und Ordensnachwuchs“.

In diese Werbung war ich eingebunden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass viele Zufälle dabei eine Rolle gespielt haben: Ein Redakteur einer großen überregionalen Zeitung fuhr mit seiner Frau am Nikolauskloster vorbei. Sie sahen die Schafe, einen zu einer Kapelle umgebauten Schäferwagen und die Klosteranlage. Neugierig hielten sie an, wir kamen ins Gespräch und ein Zeitungsartikel entstand. So entwickelte sich vieles. Fernsehauftritte mit der Blasmusik in der nahen Medienstadt Köln, Teilnahme an Rosenmontagsumzügen, Zeitungs- und Medienberichte brachten uns und das Thema „Priester- und Ordensberufe“ ins Gespräch.

Den Stallgeruch der Menschen annehmen

Damals war schon das Thema einer etwas anderen Kirche, einer, die bei den Menschen ist, im Kommen. Papst Franziskus spricht heute gerne von einer Kirche, die den „Stallgeruch der Menschen annimmt“. Ich glaube, das interessierte die Menschen und die Medien schon damals, und wir im Nikolauskloster schienen irgendwie ein Teil dieser Art von Kirche zu sein. So lernte ich die Medienarbeit kennen und verlor meine Berührungsängste gegenüber Journalisten und Medienschaffenden. Nach meiner Zeit im Nikolauskloster bin ich Oblate geworden, mein Interesse an der Medienarbeit und den Kontakt zu den verschiedenen Medien habe ich nie verloren.

Gemeindearbeit und Rundfunkseelsorge

Im Jahr 1995 wurde ich Pfarrer einer Gemeinde in Oberschwaben, genauer gesagt im Landkreis Biberach. In dieser Zeit kam die Redaktion „Kirche im Privatfunk“ aus Stuttgart auf mich zu. So entstand die mittlerweile 26 Jahre andauernde Tätigkeit bei Radio 7, einem der größten Privatsender im Süden, mit Hauptstudio in Ulm. Dort wechseln wir uns mit der evangelischen Seite wöchentlich ab. Elf Sendeplätze sind das: morgens in der Primetime ein spiritueller Impuls, am Abend kurz vor 23 Uhr und am Sonntag um 8.20 Uhr.

In den 26 Jahren habe ich viele Wechsel erlebt, eine Handvoll Kollegen sind noch aus der Anfangszeit da. Auch das Format hat sich etwas verändert. Eine Zeit lang bereitete ich immer einen Dialog mit dem Moderator der Morgensendung vor, seit einiger Zeit sind eher Monologe gewünscht. Wie auch immer ich die Inhalte aufbereite, wir erreichen morgens etwa 400.000 Menschen. Sie hören uns meistens so nebenbei, im Auto, beim Aufstehen, beim Frühstück oder an ihren Arbeitsplätzen. Dieses Format passt anscheinend gut in die Medienlandschaft. Privatsender müssen kein religiöses Programm senden, es geht immer auch um Quote. und die haben wir unverändert.

Seit sechs Jahren arbeite ich noch bei einem weiteren großen überregionalen Radiosender, „BigFM“. Dort bin ich abwechselnd mit evangelischen Kollegen live im Studio in Stuttgart. Immer sonntags von 22.45 bis 24 Uhr in der Beratungssendung „Nighttalk“. Das ist eine Seelsorgesendung, bei der Zuhörer und Zuhörerinnen anrufen können und ich dann zum Gespräch zur Verfügung stehe.

Ein weiteres Format, für das ich seit zwölf Jahren tätig bin, hat seinen Sendeplatz beim evangelischen Fernsehsender „bw family.tv“ in Karlsruhe. Hier gebe ich jeden Mittwochabend einen spirituellen Impuls.

Medien als Wirkraum des Heiligen Geistes

Mir war und ist Medienarbeit wichtig. Uns hören Menschen zu, mit denen wir nie über ein „normales Gottesdienst oder Seelsorgeangebot“ in Kontakt kommen würden. Wir erreichen Menschen auf der Suche, Menschen aus anderen Religionen und Menschen, die keiner Kirche oder Religion angehören. Das ist für mich auch der Grund, mich neben meiner täglichen Arbeit als Seelsorger in den Medien zu engagieren. In den letzten 25 Jahren habe ich als Pfarrer in unterschiedlichen Gemeinden und als Flüchtlingsseelsorger gearbeitet. Auch bei meiner neuen Aufgabe als Leiter einer Seelsorgeeinheit werde ich deshalb immer Zeit dafür finden.

Für mich ist Medienseelsorge eine Impulsseelsorge: Spirituelle Impulse machen neugierig, bewegen Menschen auch zu einer begleitenden Seelsorge hin. Medienseelsorge ist ein konkreter Raum für das Wirken des Heiligen Geistes. Zufälliges Hören, zufälliges Sehen, zufälliges Lesen – Zufall oder Wirken des Heiligen Geistes? Die Erfahrungen aus dieser Arbeit haben mein Leben geprägt und immer wieder inspiriert. Ich glaube, es ist ein Dienst, der für einen Oblatenmissionar genau richtig ist.

Wenn Sie mehr über meine Arbeit erfahren wollen, besuchen Sie mich gerne auf meiner Internetseite: www.pater-alfred.de

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Header-Bild: BigFM