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Fokus

Zusammen für die Bewahrung der Schöpfung

Beim Generalkapitel 2022 war die Frage des Umweltschutzes und der Bewahrung der Schöpfung von Anfang an eines der wichtigsten Themen. In den Diskussionen im Plenum, in den Sprach- und Regionalgruppen, aber auch in informellen Gesprächen beim Essen oder in der Freizeit kam das Thema immer wieder auf. Die Bedeutung des Umweltschutzes er gab sich schon aus den Alltagserfahrungen der Mitbrüder aus verschiedenen Teilen der Welt.

Papst Franziskus spricht von einer integralen Ökologie

In Lateinamerika ist das Thema oft mit den Problemen der indigenen Völker verwoben. Die Oblaten sind in diesem Feld in vielen Ländern der Region sehr engagiert. Laut Papst Franziskus ist die Umwelt nicht vom Menschen und der Schöpfung als solcher zu trennen; das nennt der Papst in seiner Enzyklika Laudato si‘ „integrale Ökologie“. Daher war es für das Generalkapitel klar, dass die Enzyklika über die Sorge für das gemeinsame Haus, Laudato si‘, mit der Enzyklika über die Brüderlichkeit und die soziale Freundschaft, Fratelli tutti, die fünf Jahre später veröffentlicht wurde, zusammen gelesen werden muss. 

Daran haben uns die Mitbrüder, vor allem aus Lateinamerika, oft erinnert. Die Abholzung riesiger Landstriche und die Umweltverschmutzung, der Verlust der Artenvielfalt, die Vertreibung indigener Völker aus ihrer Heimat, die soziale Ungerechtigkeit… all das sind für die Mitbrüder aus dem globalen Süden Themen, die ihren Alltag prägen.

Oblaten entwickeln umweltfreundliche Anlagen in Afrika

In einigen Teilen Afrikas, in denen wir Oblaten tätig sind, ist vor allem Wasserknappheit ein großes Problem – oft bedingt durch den Klimawandel, der zu großen Wetterschwankungen führt. Deshalb ist zum Beispiel einer unserer senegalesischen Mitbrüder, Joseph Ndong, nach seinem Theologiestudium nach Kanada gegangen, um dort ein Landwirtschaftsstudium zu absolvieren.

Während des Studiums hat er dort gearbeitet, um Geld zu verdienen, von dem ein erster Traktor für die Oblaten im Senegal gekauft werden konnte. Derzeit baut er in seiner Heimatprovinz einen landwirtschaftlichen Betrieb auf – dieser bietet nicht nur Arbeit und Lebensunterhalt für die Menschen vor Ort, sondern ist auch ein Beispiel für nachhaltige Landwirtschaft unter ökologischen Gesichtspunkten.

Auch in anderen Teilen Afrikas engagieren sich die Oblatenmissionare im Klimaschutz: In Nairobi, Kenia, haben die Mitbrüder Erfahrung mit dem Bau von Häusern und der Anlage von Gärten, die mit modernen Techniken sehr umweltfreundlich sind – vor allem im Hinblick auf die Verringerung des CO2-Ausstoßesund die effektive Energiegewinnung. Die neu angelegten Gärten rund um unser Haus in Nairobi oder die Baumpflanzung auf einer 20 Hektar großen Farm in der Nähe von Meru im Zentrum Kenias sind Beispiele dafür.

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In Kenia bauen die Oblaten nach modernen Standards Häuser, die umweltfreundlicher sind als Altbauten. Foto: OMI Kenia

Auch kleine Projekte zählen

Pater Slawomir Kalisz, der neben mir im Kapitelsaal saß, erzählte mir, dass die Oblaten und ihre Freunde in Hongkong einen kleinen Laden betreiben, der recycelte Waren verkauft und sich vor allem an die Ärmeren richtet.

Persönlich hat mich auch das Zeugnis des ehemaligen Generaloberen Louis Lougen berührt: Er und die Gemeinschaft der Generalverwaltung in Rom haben ihr eigenes „grünes Projekt“ geschaffen: in Bezug auf alltägliche Kleinigkeiten wie Wassersparen beim Duschen, Recycling, Vermeidung von Plastikprodukten usw.

Politisches Engagement

Die Oblaten sind auch dort aktiv, wo es möglich ist, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen, von denen die Umwelt betroffen ist. Unser Mitbruder Pater Daniel Le Blanc ist seit vielen Jahren Mitglied des Teams der Ordensleute, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten.

Er nimmt beispielsweise jährlich am Forum der UN zum Thema Regenwald teil. Oblaten auf der ganzen Welt organisieren auch viele Initiativen anlässlich des jährlichen Tags der Erde am 22. April und tragen so zur Verbreitung eines wichtigen Bewusstseins für ökologische, schöpfungsbezogene, gottesdienstliche und erzieherische Fragen bei.

Die Bedeutung von Laudato si‘

Die Enzyklika Laudato si‘ war einer der wichtigsten Texte für das Generalkapitel. Das zeigt sich daran, dass sie zumindest indirekt in allen Teilen der Kapitelsdokumente erwähnt wird.

Das Kapitel widmete der Enzyklika auch einen ganzen Abend – an dem wir zunächst einen Film schauten, „Der Brief“ –, der vom Text des Papstes inspiriert war. Danach erkundeten wir die „Laudato si‘ Aktionsplattform“, ein Netzwerk, das viele Ordensgemeinschaften, Pfarreien, Schulen und andere kirchliche Einrichtungen miteinander verbindet. Dort werden konkrete Programme, Aktivitäten und Pläne auf der Grundlage der Ideen der Enzyklika des Papstes ausgetauscht.

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Pater Vlastimil Kadlec OMI war als Delegierter der Mitteleuropäischen Provinz 2022 beim Generalkapitel der Oblatenmissionare in Italien dabei. Foto: OMI

Laudato si’ und das Charisma der Oblaten

Das Oblatencharisma ruht auf zwei Säulen: erstens die Communio/Gemeinschaft, d.h. die Beziehungen, die wir zum einen innerhalb der Oblatenfamilie haben, zum anderen nach außen zu den Menschen, zu denen wir gesandt sind; zweitens die gemeinsame Mission mit den Armen und Verlassenen.

Papst Franziskus spricht in Laudato si‘ den gleichen Gedanken an. Er verdeutlicht, dass die unterdrückten und verwüsteten Länder heute zu den am meisten verlassenen Armen gehören (LS2, 53). Unsere Ordensregel bezeichnet die Armen und Verlassenen als diejenigen, „die keine Stimme haben“ und sagen, dass die Oblaten diese Stimme hören und selbst zu ihr werden sollen (vgl. C 9). Es ist die leidende Gestalt, die heute stimmlos ist, und wir sind aufgerufen, ihre Stimme zu werden.

Betrachtet man die Enzyklika, so scheint es, dass wir unsere Nähe zu den Armen auf die gesamte Schöpfung ausdehnen sollen: „...die Enzyklika Laudato si‘ ist ein Ansporn für uns, den Menschen und der gesamten Schöpfung noch näher zu sein“ (Botschaft des Generalkapitels 6). Der Schutz der Umwelt gehört somit zum Kern unseres Charismas.

Inspirationen für die Arbeit in Tschechien

Ich denke, dass wir in Tschechien noch am Anfang stehen, dass wir die Themen von Laudato si‘ noch nicht als integralen Bestandteil unserer Mission, unseres Dienstes und unseres Lebens im Allgemeinen verinnerlicht haben. Wir sprechen vielleicht von Zeit zu Zeit über Laudato si‘, aber die Auswirkungen auf das konkrete Leben unserer Gemeinschaften sind noch sehr gering.

Wir haben keinen Plan für die Gemeinschaft, der sich mit den alltäglichsten Dingen unseres Lebens befasst. Ein erster Versuch in dieser Richtung wird von der Gemeinschaft der Laienexerzitien in Dolni Bela unternommen.

Ohne Frage fehlt es nicht nur der Mazenodfamilie in der Tschechischen Republik, sondern auch der ganzen tschechischen Kirche an Sensibilität für das Thema.

Die Erfahrung des Generalkapitels hat gezeigt, dass ein Großteil der internationalen Oblatengemeinschaft in dieser Hinsicht viel weiter ist. Es scheint, dass wir Oblaten in Europa ein wenig im Rückstand sind. Aber ich glaube, dass wir den Geist des Generalkapitels in unsere Gemeinschaften und Kommunitäten hineintragen können – und so als weltweite Familie zusammenwachsen.