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Orientierung
Im Gespräch

Ein Stammzellenspender erzählt

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Maximilian Röll

Wie kam es, dass Sie sich registriert haben?

Sebastian Veits

Ich habe mich damals im Rahmen einer Aktion angemeldet, bei der für ein bestimmtes Kind ein Spender gesucht wurde - Blutkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern. Im katholischen Kindergarten meiner damaligen Heimatpfarrei Rabanus Maurus fand eine Typisierungsaktion statt. Das war damals bei mir vor der Haustür.

 

Für mich war die Spende die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen. Deswegen war ich froh, dass mit der Typisierung direkt vor der Haustür auch die letzte Ausrede wegfiel.

 

Nach der Typisierung habe ich erstmal längere Zeit nichts gehört – für den konkreten Fall hat es offensichtlich nicht gepasst.

Maximilian Röll

Wann wurden Sie kontaktiert?

Sebastian Veits

Im Mai 2012 wurde ich angeschrieben: Man hatte einen potenziellen Empfänger gefunden.

 

Das weitere Verfahren war für mich recht einfach, da die Beratung in der Spenderzentrale in Frankfurt stattfand – das ist ja nahe an meinem Wohnort Mainz. Es gab dann nochmal eine Typisierung, ich habe Fragebögen ausgefüllt etc. Das hat alles ein bisschen gedauert. Im August 2012 wurden dann die Stammzellen entnommen.

Maximilian Röll

Wie läuft die Entnahme der Stammzellen ab?

Sebastian Veits

Das war bei mir undramatisch. Spontan denken viele daran, dass dabei ein Hüftknochen angebohrt wird, um an das Knochenmark zu gelangen. Das ist heutzutage in der Regel nicht mehr der Fall.

 

Man spritzt sich vor der Spende ein Medikament; das habe ich damals selbst gemacht. Das  Medikament simuliert dem Körper eine Erkältung. Das fühlt sich auch so an. Mit jeder Spritze, die ich mir gesetzt habe, habe ich mich mehr erkältet gefühlt. Das hat zum Ende bei mir zu einem gewissen Widerwillen geführt: Ich wusste, eine halbe Stunde oder Stunde nach der Spritze geht es mir etwas schlechter. Die Symptome waren aber bei mir nicht dramatisch. Es gibt eine sehr gute Betreuung, wenn Unsicherheiten auftreten.

 

Durch die simulierte Erkältung wird der Körper angeregt, mehr Blutstammzellen zu bilden. Nach sieben Tagen werden die Stammzellen aus dem Blut gewaschen. Ich hing dafür einen Vormittag an einem Blutentnahmegerät, das kann man sich ähnlich vorstellen wie bei einer Dialyse. Für mich war das nicht schmerzhaft, ich war nur platt danach.

Maximilian Röll

War die Spende erfolgreich?

Sebastian Veits

Ich wurde im Januar 2013 darüber informiert, dass die transplantierten Zellen vom Körper des Empfängers angenommen wurden und es dem Patienten besser ging. Es gab aber keinem Kontakt zwischen uns.

 

Das einzige, was mich heute noch daran erinnert, ist ein Gesundheitsfragebogen, den mir die DKMS einmal im Jahr schickt – ob es gesundheitliche Einschränkungen gibt, die mit der Spende zu tun haben könnten. Das ist bei mir nicht der Fall - eine klassische Untersuchung für die Statistik.

 

Ich würde vermutlich auch noch mal angeschrieben, wenn es einen weiteren Kandidaten gibt, zu dem mein Profil passt. Ich würde es auch nochmal machen.

 

Für mich war es eine kleine Geschichte, für den Menschen, dem es geholfen hat, hoffentlich eine sehr große.

Maximilian Röll

Wie blicken Sie auf Ihre Erfahrungen zurück?

Sebastian Veits

Ich habe gemerkt, dass mir das Schicksal des Empfängers nahe gegangen ist – obwohl ich ihn nicht kenne. Es war mein großer Wunsch, dass meine Spende ihm hilft; ich habe ihn auch mit ins Gebet genommen.

 

Der Prozess hat mich darin bestärkt, dass die Entscheidung richtig war. Man braucht auch keine Angst davor zu haben.

 

Und ich würde es heute jedem nahelegen, sich auch typisieren zu lassen. Und ob man Spender wird hängt danach nicht von einem selbst ab. Die Frage, die für mich damals ausschlaggebend war, lautete: Wie wäre es für mich, wenn ich eine Stammzellenspende brauchen würde. Dann wäre ich sehr dankbar, wenn es jemanden gäbe, der das machen würde.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Website der DKMS hier.

Header-Foto: Nina Stiller (DKMS)