"Es genügt, richtig zu lieben" - gerade im Angesicht der KI
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Mittwoch, 24. Januar 2024
Franz von Sales

"Es genügt, richtig zu lieben" - gerade im Angesicht der KI

Ein junger savoyischer Adliger aus der Provinz, der Jura studiert; in eine tiefe Glaubenskrise gerät, die er überwindet; der beschließt Priester zu werden; seine Familie ist dagegen; doch er setzt sich durch; er wird Bischof, als Missionar erfolgreich, Ordensgründer und einige Jahrzehnte nach seinem Tod heiliggesprochen. Die Rede ist vom heiligen Franz von Sales.

Franz von Sales wurde am 21 August 1567 auf Schloss Sales in damaligen Herzogtum Savoyen geboren; eine Region, die heute zu Frankreich gehört. Der junge Adlige war der Erstgeborene. Seine Familie sah ihn entsprechend für große Aufgaben vor. So wurde er aus den Westalpen zum Studium nach Paris gesandt, um sich die notwendigen Kenntnisse, aber auch die Kontakte für eine Karriere zu verschaffen. In Paris war es auch, wo er in eine ernste religiöse Krise geriet.

Es war die Frage nach der ewigen Vorherbestimmung des Menschen, die ihn umtrieb: Bin ich bestimmt, gerettet oder verdammt zu werden? Die Angst, verdammt zu sein, quälte ihn so sehr, sodass er darüber erkrankte. Vor einem Bild der Gottesmutter ergriff ihn die erlösende Erkenntnis: „Lass alle Sorge um Dinge, die zu ergründen nun einmal nicht in menschlichen Kräften steht! Lebe so mit gutem Willen, dass du vertrauen kannst, im Gottes Gnade zu sein! Im Übrigen denke, dass Gott die Liebe ist und Christus wahrhaft dein Erlöser!“ so beschrieb er die Wirkung dieses Ereignisses.

Der Rekurs auf die Liebe Gottes war es, die sein Leben und seine Spiritualität fortan prägen sollte, sodass er Apostel der Liebe Gottes genannt wird.

Mission in den Alpen

Franz von Sales wurde von seinem Bischof entsandt, um die Menschen zu überzeugen. Das traf auf die Ablehnung der calvinistischen Eliten, die vor Ort immer noch das Sagen hatten. So predigte Franz vor leeren Rängen.

Doch davon ließ er sich nicht entmutigen. Er nutzte das Medium des Buchdruckes. Er ließ seine Predigten auf Flugblättern verbreiten und überall dort anbringen, wo Menschen sie in der Öffentlichkeit lesen konnten. Er gab sozusagen eine frühe Predigtzeitschrift heraus. So gelang es ihm im Laufe der Zeit, seinen Einfluss in der Region auszubauen. Auch die Diskussion mit den calvinistischen Predigern scheute er nicht. Es wird berichtet, die öffentlichen Gespräche hätten zwar zu keiner Gesinnungsänderung auf beiden Seiten geführt – aber sie seien mit großem Respekt geführt worden. In Zeiten der aufgeheizten Polemik war das schon ein Erfolg.

Ein Heiliger für die sozialen Kommunikationsmittel

Da trifft es sich gut, dass der Gedenktag des Heiligen auch der Tag der sozialen Kommunikationsmittel ist. Nicht nur, weil Franz von Sales mit den innovativsten Medien seiner Zeit gearbeitet hat. Sondern auch, weil ihn im gesprochenen wie im geschriebenen Wort Respekt und das ehrliche Interesse am Gegenüber auszeichnete. Und das in einem Umfeld, in dem man sich Calvinisten und Katholiken gegenseitig als Antichristen diffamierten und Abbildungen kursierten, in denen sich man wechselseitig als Höllendämonen darstellte.

Vorschau Papst Franziskus

Weisheit des Herzens

Auf eine Weisheit des Herzens hob auch Papst Franziskus an diesem Welttag der sozialen Kommunikationsmittel ab. Eine Weisheit, die er besonders im Hinblick auf Fortschritte der künstlichen Intelligenz beleuchtete. 

Die Weisheit des Herzens beschreibt der Papst als "jene Tugend, die es uns ermöglicht, das Ganze und die Teile, die Entscheidungen und ihre Folgen, die Stärken und die Schwächen, die Vergangenheit und die Zukunft, das Ich und das Wir miteinander zu verbinden."

"Wir können diese Weisheit nicht von Maschinen erwarten", betont der Papst. Er hält daher den Begriff der künstlichen Intelligenz für missverständlich. Zugleich verweist er auch auf die revolutionäre Macht von künstlicher Intelligenz. Eine Macht, die aber keine Antwort darauf bietet, wie die Menschheit sie nutzt. Hier kommt wieder die Weisheit des Herzens ins Spiel:

"Es liegt am Menschen zu entscheiden, ob er zum Futter für Algorithmen wird oder ob er sein Herz mit Freiheit nährt, das Herz, ohne das wir nicht in der Weisheit wachsen können. Diese Weisheit reift, indem man aus der Geschichte lernt und die Verletzlichkeit akzeptiert."

Die ganze Botschaft des Papstes zum Welttag der sozialen Medien gibt es unter diesem Link.

Fotos

Bild Franz von Sales: Vitrail Saint-François de Sales dans l'église Saint-Denis-de-la-Croix-Rousse de Lyon; CC Xavier Caré (Wikimedia Commons)