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Orientierung
Das Vorbild der Heiligen
Nikanor, Parmenas, Prochorus und Timon

Gemeinschaftlich Glauben leben

Neben den Märtyrern und Bekennern verehren Katholiken und Orthodoxe vor allem auch die sogenannten „biblischen Heiligen“. Alttestamentliche Figuren wie Adam und Eva oder König David und die Propheten werden bis heute wie selbstverständlich zu den Heiligen gezählt. Ihre Heiligkeit war geprägt von der aufrichtigen Auseinandersetzung mit dem Gott und Vater Jesu Christi.

Auch Personen des neuen Testaments wie Maria und Josef, Johannes der Täufer, Maria Magdalena und Martha oder Veronika gelten neben den Aposteln schon immer als heilig. Sie verdanken ihre Verehrung der besonderen Nähe zu Jesus. Beim genaueren Hinschauen aber trifft man dann auch biblische Heilige, die uns gar nicht so präsent sind. So ist es auch bei Nikanor, Parmenas, Prochorus und Timon.

Die frühe Kirche ehrte zunächst jeden dieser frühchristlichen Heiligen mit einem eigenen liturgischen Gedenktag: Nikanor am 10. Januar, Parmenas am 23. Januar, Prochorus am 9. April und Timon am 19. April. Heute begeht die katholische Kirche zusammen mit der Orthodoxie ihren gemeinsamen Gedenktag am 28. Juli. Besonders bei den orthodoxen Christen ist die Verehrung bis heute groß.

Ein Blick in die Vergangenheit: Wer waren Nikanor, Parmenas, Prochorus und Timon?

Schauen wir zunächst auf den biblischen Befund: Die Apostel bestellten für den Leitungsdienst in den Gemeinden Diakone. Ihre Aufgaben waren die Verkündigung und die Armenfürsorge. Aus der Apostelgeschichte wissen wird, dass zunächst sieben Männer „von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ (Apg 6,1–7) erwählt wurden. Es waren: Stephanus, der als erster Märtyrer in die Kirchengeschichte einging; Philippus, der später Missionar in Samaria (Apg 8,4–13) wurde und den äthiopischen Kämmerer (Apg 8,26-40) taufte; Nikolaus, der später vom Glauben abfiel und die gnostische Sekte der „Nikolaiten“ anführte; Nikanor, Parmenas, Prochorus und Timon, um die es uns hier geht.

Die historischen Quellen berichten kaum etwas über die vier Diakone. Nikanor soll bis ins Jahr 76 auf Zypern tätig gewesen sein. Parmenas war eventuell vor 98 in Makedonien aktiv. Prochorus war Begleiter der Apostel Petrus und Johannes. Später habe man ihn in Nikomedien als Bischof einsetzt. Timon wirkte als Missionar in Aleppo, auf Zypern und in Korinth. Alle vier sind mit großer Wahrscheinlichkeit als Blutzeugen gestorben.

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Die Jerusalemer Urgemeinde gilt als früheste Gemeinde des Christentums. Sie hat sich nach dem tod Jesu gebildet. In der Bibel wird die Gemeinde im Brief des Apostels Paulus an die Galater und in der Apostelgeschichte erwähnt. Foto: C. Schmidt (pixabay)

Ein blick in die Zukunft: Was könnten Nikanor, Parmenas, Prochorus und Timon von mir wollen?

In den letzten 50 Jahren sind drei gesellschaftliche Trends festzustellen:

1. Die Individualisierung, die den Menschen erkennen lässt, dass er einzigartig ist.

2. Ein wachsender Integrationsschwund, der es dem Menschen schwermacht, sich zu binden. Auch innerhalb fester und traditioneller Bindungen kommt es vermehrt zu Brüchen.

3. Die Paradoxie, die den Menschen schließlich dazu führt, kontinuierlich alles zu hinterfragen.

Die Sehnsucht nach ständigem Wechsel, nach maximaler Wahlmöglichkeit und endlosem Erlebnis sind die Folgen. Wir alle sind in irgendeiner Weise von diesen Entwicklungen berührt. Wir genannten genießen ihre Vorzüge, Leiden aber nicht selten auch unter ihren Folgen. Das gesellschaftliche Miteinander ist daher sehr fragil geworden. Das betrifft freundschaft, ehe und familie genauso wie alle politischen, gesellschaftlichen, ethnischen und religiösen Gruppierungen. Überall wird der Zusammenhalt zur Herausforderung. Auch das kirchliche Leben, das sich von der Gemeinschaft der Gläubigen her definiert, tut sich angesichts dieser Tendenzen schwer. Viele, scheinbar negative, Entwicklungen sind heute offenbar gar nicht mehr aufzuhalten.

Nikanor, Parmenas, Prochorus und Timon waren Menschen, die sich ohne viel Aufhebens für die Sache Gottes zur Verfügung stellten, eben da, wo man sie brauchte. Das ist bemerkenswert! Was war also ihre Motivation? Ihnen war in der ersten Generation von Christen klargeworden, dass der Glaube nur dann persönlich und individuell sein kann, wenn er gemeinschaftlich gelebt wird. Das passierte schon damals nicht von allein. Es galt, etwas dafür zu tun.

Gebet

Ihr heiligen Nikanor, Parmenas, Prochorus und Timon,

ihr habt euch in Dienst nehmen lassen und im Glauben euren Weg gefunden.

Unser Alltag ist bewegt, der Lebensweg verwirrend.

Beziehungen, Familie, Arbeit, Freizeit; das alles nimmt uns in Anspruch.

Uns fällt es schwer, in all diesen Bereichen unseren Platz als Christen zu finden.

Glauben und Leben zusammenzubringen, ist für uns nicht einfach.

Wie ihr wollen auch wir unseren persönlichen Glauben leben: in aller Bescheidenheit, aber unserem Wesen entsprechend; ohne viel Aufsehen, aber doch effektiv und erfüllend, in Gemeinschaft, aber doch ganz individuell.

Diese Haltung erbitten wir auf eure Fürsprache von Gott durch Christus, unseren Herrn.