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Katholische Palästinenserin in hoher Vatikanfunktion

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Foto: CSC audiovisivi

Vatikanstadt/Jerusalem - Sie sei von der Ernennung überrascht worden und habe nicht damit gerechnet. So berichtet es Margaret Karram, die Chefin der Fokolar-Gemeinschaft der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die katholische Palästinenserin mit israelischem Pass gehört nun zusammen mit einem Dutzend Kardinälen und Bischöfen, zwei Priestern und 15 Laien zum Entscheidungs- und Leitungsgremium des Vatikan-Ministeriums für Laien, Familie und Leben.

In eine katholische Familie geboren, hatte Karram in der als tolerant und weltoffen geltenden Hafen- und Universitätsstadt Haifa die Schule der Karmelitinnen besucht. Neben Hebräisch und Arabisch lernte sie Englisch und Italienisch. Schon in der Schulzeit kam sie mit der Fokolar-Bewegung in Kontakt und engagierte sich im Dialog und für ein gelingendes alltägliches Miteinander von Christen, Juden und Muslimen. Nach dem Abitur ging sie in die USA und studierte an der Hebrew University of Los Angeles Judaistik.

Zurück in der Heimat arbeitete sie 14 Jahre im italienischen Generalkonsulat in Jerusalem. Gleichzeitig bekleidete sie verschiedene Positionen in der Fokolar-Bewegung, engagierte sich aber auch in ihrer Ortskirche. Sie war Mitglied der Bischöflichen Kommission für interreligiösen Dialog im Heiligen Land und engagierte sich im Vorstand des Interreligiösen Koordinierungsrates in Israel (ICCI). Dort erinnert man sich noch gerne an ihre freundliche, aktive, kluge, charmante und vermittelnde Zuarbeit.

Für ihren Einsatz zwischen den Religionen und Kulturen erhielt Karram 2013 zusammen mit der jüdischen Dozentin und Politik-Beraterin Yisca Harani den "Mount Zion Award for Reconciliation", der von der Universität Luzern zusammen mit der Jerusalemer Benediktiner-Abtei Dormitio verliehen wird.

Ein Jahr später kam sie nach Italien in die Zentrale der Fokolare in Rocca di Papa bei Rom - und wurde 2021 an die Spitze ihrer Gemeinschaft gewählt. Damit ist sie die dritte Präsidentin der 1943 von Chiara Lubich gegründeten Bewegung, in der auch Christen anderer Kirchen und Angehörige anderer Religionen eine geistliche Heimat und familiäre Verbundenheit suchen und finden sollen. 

Im Konflikt zwischen Israel und der Hamas folgt sie ganz der Linie von Papst Franziskus. "Ich stehe auf der Seite der Opfer, ich möchte mich nicht auf die eine oder andere Seite stellen, denn Krieg kann niemals die Lösung sein. Krieg bringt nur Opfer, Tod und ist die größte Niederlage für die gesamte Menschheit." (KNA)