Chile bittet Papst um Vermittlung in der Kuba-Krise
Santiago/Havanna – Die Versorgungslage in Kuba verschärft sich weiter. Nach dem Ausbleiben von Öllieferungen aus Venezuela und Mexiko auf Druck der USA kommt es zu erheblichen Engpässen. Zigarrenfabriken stellen den Betrieb ein, in Krankenhäusern fehlt es an medizinischer Versorgung, und Tankstellen bleiben ohne Treibstoff.
Der chilenische Präsident Gabriel Boric hat den Papst um eine mögliche Vermittlung gebeten. Boric, dessen Amtszeit am 11. März endet, übergab einen entsprechenden Brief dem Apostolischen Nuntius in Chile, Erzbischof Kurian Mathew Vayalunkal.
Humanitäre und menschenrechtliche Probleme
In seinem Schreiben verweist Boric auf die doppelte Krise in dem kommunistisch regierten Inselstaat: Neben der humanitären Notlage aufgrund der Versorgungssituation bestehe eine anhaltende Menschenrechtsproblematik. Unabhängig von politischen Differenzen müsse das Wohlergehen der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen. Eine nachhaltige Lösung setze Fortschritte in Demokratie- und Menschenrechtsfragen voraus.
Die aktuelle Situation habe direkte Auswirkungen auf Lebensmittelversorgung, Gesundheitswesen, öffentlichen Nahverkehr und Stromversorgung. Nach Einschätzung Borics seien sowohl die USA als auch die kubanische Führung gefordert, Schritte zur Entspannung zu unternehmen. Als mögliches Signal nannte er die Freilassung politischer Gefangener.
Gespräche zwischen USA und Kuba
Parallel dazu berichten US-Medien über Kontakte zwischen Washington und Havanna. Laut der Zeitung „El Nuevo Herald“ steht US-Außenminister Marco Rubio im Austausch mit Raúl Guillermo Rodríguez Castro, einem Enkel des früheren Staatschefs Raúl Castro.
US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich Gespräche mit Kuba bestätigt, zugleich jedoch ein militärisches Eingreifen ausgeschlossen.
Rolle der Kirche
Papst Leo XIV. hatte sich zuletzt angesichts der neuen Kuba-Krise für Dialog ausgesprochen und eine Stellungnahme der kubanischen Bischöfe aufgegriffen. Diese warnten vor der Gefahr eines „sozialen Chaos“ und erklärten ihre Bereitschaft, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.
Auch Vertreter der kubanischen Opposition unterstützen eine mögliche Vermittlungsrolle der Kirche. Der Dissident José Daniel Ferrer, der seit Oktober im Exil in den USA lebt, verwies auf frühere Beiträge der Kirche zur Freilassung politischer Gefangener.
Bereits unter Papst Franziskus hatte der Vatikan eine vermittelnde Rolle zwischen den USA und Kuba eingenommen. In dieser Phase kam es zu einer Annäherung beider Staaten, die unter anderem in einem Besuch von US-Präsident Barack Obama in Havanna mündete. Später wurden die Sanktionen unter dessen Nachfolger erneut verschärft. (KNA)