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Mazenodfamilie
Im Gespräch
Im Gespräch mit Schwester Lisa Renner OMI

„Ich spreche lieber mit den Menschen als zu ihnen“

Schwester Lisa Renner OMI wurde 1988 in der Oberlausitz/Sachsen geboren. 2007 bis 2009 studierte sie in Mainz Religion und Spanisch auf Lehramt. 2010 erfolgte ihr Eintritt bei den Oblatinnen in Madrid, wo sie bis 2019 lebte. Seitdem ist sie wieder in Deutschland, erst in Burlo, jetzt in Ramsdorf. Zur Zeit absolviert sie ein Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Fulda, gleichzeitig arbeitet sie in der Betreuungseinrichtung einer Grundschule im Kreis Borken.

Maximilian Röll

Sie wohnen heute in Ramsdorf, in der Nähe von Borken in Westfalen, stammen aber aus Sachsen und haben zehn Jahre in Madrid verbracht. Wie kam es zu diesem Lebensweg durch halb Europa?

Lisa Renner

Das hängt mit den Oblaten und Oblatinnen zusammen.

 

Ich habe die Oblatenmissionare in meiner Heimat in Wittichenau kennengelernt, das liegt in der Oberlausitz. Die Patres waren 2006 auf einer Gemeindemission bei uns. Da habe ich Glaubensleben nochmal anders erfahren, lebhafter. Zwar gab es in der Gemeinde schon immer Jugendarbeit. Aber das Zeugnis der Oblaten hat mich damals besonders angesprochen. Das ist die Wiege meiner Berufung.

 

Im gleichen Jahr bin ich den Oblatinnen begegnet – das war in Maria Engelport, damals noch ein Oblatenkloster; dort haben die Schwestern eine Veranstaltung für junge Frauen angeboten. Aus diesen Kontakten heraus habe ich dann in Mainz angefangen, Theologie zu studieren – erst auf Diplom, dann auf Lehramt für Gymnasium. Gleichzeitig habe ich noch Spanisch studiert.

 

In dieser Zeit bin ich schon regelmäßig nach Madrid geflogen, zu den Oblatinnen. 2010 bin ich dort eingetreten. Mein Theologiestudium habe ich an der Hochschule der Jesuiten in Madrid abgeschlossen. In Spanien habe ich gern dort pastorale Aufgaben übernommen, wo es um soziale Ausgrenzung ging. So war ich zum Beispiel in einem Randgebiet von Madrid engagiert.

 

2017 sind die ersten Mitschwestern nach Deutschland gekommen, zunächst nach Burlo. Ich bin 2019 dazugestoßen. 2021 sind wir in das Haus in Ramsdorf gezogen.

Maximilian Röll

Wie beschreiben Sie für sich das Charisma der Oblatinnen?

Lisa Renner

Es bedeutet für mich: in einer starken Beziehung zu Jesus Christus leben und daraus auch handeln. Wegen dieser Beziehung möchte ich den Menschen nahe sein – und ihnen durch diese Nähe etwas von der Liebe Gottes erzählen. Im Charisma des heiligen Eugen ist mir besonders die Nähe zu den Armen wichtig. Ich verkünde die Frohe Botschaft aber weniger verbal, sondern mehr in konkreten Handlungen. Ganz wichtig ist uns auch das Leben in Gemeinschaft.

Maximilian Röll

Welche biographischen Erfahrungen haben Sie mit Verkündigung gemacht, die Sie beeindruckt haben?

Lisa Renner

Ich bin in einer Gegend groß geworden, da war ich als Katholikin die Ausnahme. Da gab es dann natürlich auch mal Rückfragen, etwa bei Mitschülern. Dann hatte ich die Gelegenheit, etwas zu erklären.

 

Ein anderes Beispiel: Unsere Gemeinschaft der Oblatinnen in Madrid hat ein missionarisches Projekt, bei dem wir mehrfach im Jahr mit Jugendlichen nach Marokko fahren. Ich war mehrmals dabei; wir haben einige Wochenlang in Gemeinschaft mit den jungen Menschen zusammengelebt, gemeinsam gebetet und die Hausarbeit erledigt und uns vor Ort engagiert: in einem Altenheim, mit Straßenkindern, für Menschen mit Behinderung. Das ist eine Verkündigung über Nächstenliebe für die Menschen in diesem muslimischen Land, da wir dort nicht konkret über Gott sprechen können.

Maximilian Röll

Wie ist Ihr Verständnis von Verkündigung?

Lisa Renner

Ich stelle mich nicht gerne vor Leute und halte eine Predigt. Ich spreche lieber mit den Menschen als zu ihnen. Gott ist in mir, aber er ist auch in anderen – so können andere Menschen mir von Gottes Gegenwart erzählen.

 

Ein Beispiel: In Madrid war ich in einer Pfarrei eingesetzt; dort habe ich Einwandererfamilien getroffen, von denen es in diesem Viertel viele gibt. Ich erinnere mich an eine Familie aus Argentinien, deren Leben von großer Unsicherheit geprägt war; aber sie hat aus einem großen Gottvertrauen gelebt, aus dem Vertrauen, dass am Ende alles gut wird. Das hat mich sehr beeindruckt.

 

Im Gespräch mit Menschen kann ich gemeinsam mit meinem Gegenüber Gott in unserem Leben entdecken. Wir Schwestern verkünden dort, wo wir leben, schon durch unser So-Sein. Wir sind junge Ordensleute; dadurch können wir bereits Ausdruck von einer Kirche sein, die nicht verstaubt ist.

 

Unser Ordenskleid ist für mich ein wichtiges Zeichen. Im Ort, wo wir wohnen, bin ich damit öfter unterwegs. Auf dem Schulgelände, wo ich seit einigen Monaten tätig bin, trage ich mein Kreuz als äußeres Zeichen meiner Verkündigung. Die Kinder sprechen mich auch manchmal darauf an. Aber die meisten wissen bisher nicht, dass ich Ordensschwester bin – das könnten viele nicht einordnen, da sie anderen Religionen angehören.

 

Die Arbeit mit den Kindern erinnert mich manchmal an das Evangelium vom blinden Bartimäus. Der schreit zu Jesus; der ruft ihn dann zu sich und fragt, was er möchte. Das ist bei uns auch manchmal so in der Betreuung. Da „schreien“ die Kinder – dann geht es darum, herauszufinden, was ihre Bedürfnisse sind.

Maximilian Röll

Welches Mehr stiftet Ihre Mission in Ihrer Arbeit?

Lisa Renner

Ich möchte mit meinem Handeln vermitteln, dass Gott ein liebender Gott ist.

 

Ein Kind etwa, das mich oft durch sein Verhalten herausfordert, mich provoziert – mein Glaube schenkt mir da eine andere Perspektive. Ich sehe dann: Das Kind verhält sich jetzt so, aber das ist nicht alles von ihm. Ich kann dahinter blicken und die Bedürfnisse des Kindes erkennen. Natürlich komme ich manchmal an meine Grenzen. Aber Gott bietet mir seine Vergebung und seine Liebe an, auch wenn mein Gegenüber mich im Moment ablehnt. Und ein Punkt darf beim Handeln nicht vergessen werden: Ich nehme die Kinder stets ins Gebet mit.