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Vatikan

Papst und Anglikaner-Primas Welby setzen Zeichen für Einheit

Rom - Papst Franziskus und der anglikanische Erzbischof Justin Welby haben ein Zeichen für die Einheit der Christen gesetzt. Am Donnerstagabend beauftragten die beiden Kirchenführer katholische und anglikanische Bischöfe, Zeugen der Einheit zu sein. Mit der Vesper in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern beschlossen sie die Gebetswoche für die Einheit der Christen.

In seiner Predigt rief der Papst eindringlich zur Einheit der christlichen Kirchen und aller Menschen auf der Welt auf. "Jeder Getaufte gehört demselben Leib Christi an", betonte er: "Ja, mehr noch, jeder Mensch auf der Welt ist mein Bruder oder meine Schwester. Und wir alle bilden die 'Symphonie der Menschheit', deren Erstgeborener und Erlöser Christus ist."

Franziskus fügte hinzu, die Frage sei nicht "Wer ist mein Nächster?", sondern "Mache ich mich selbst zum Nächsten?". Diese Frage gelte auch für Gemeinschaften und Kirchen. Blieben diese verbarrikadiert in der Verteidigung der eigenen Interessen, eifersüchtige Hüter ihrer Autonomie und gefangen im Berechnen des eigenen Vorteils, sei dies Untreue gegenüber der Frohen Botschaft. Im Bemühen um die Einheit müssten eigene Interessen aufgegeben und die Initiative Gott überlassen werden.

Erzbischof Welby, Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, warnte davor, dass Hass und Wut die Menschen trennten. Die Kirche Jesu sei dazu berufen, frei zu sein, weil sie "in der Liebe ist". Auch Vertreter anderer christlicher Kirchen nahmen an der Feier am Grab des Apostels Paulus teil.

Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren. Später übernahm die anglikanische Kirche Elemente der Reformation, dennoch blieb sie in ihrer Liturgie und Theologie der katholischen Kirche relativ nahe. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auch kirchenpolitische Annäherungen. Heute setzen Papst Franziskus und Erzbischof Welby auf Austausch und Freundschaft. Im Südsudan traten beide im Jahr 2023 gemeinsam auf. Zur anglikanischen Kirche gehören weltweit zwischen 77 und 85 Millionen Mitglieder; zur katholischen rund 1,4 Milliarden. (KNA)