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Mazenodfamilie

Die Welt zu Gast in Hünfeld: OMIs aus Peru

Bei den Armen und Verlassenen sein – dies sagen Mitglieder der Mazenodfamilie häufig, wenn sie ihren Dienst beschreiben. Sehr konkret wird das für die Oblatinnen und Oblaten in Peru. Die Oblatinnen, die im letzten Jahr eine neue Niederlassung in Bambamarca (Nordwest-Peru) gegründet haben, und Weihbischof Alberto Huamán OMI aus der Diözese Huancayo (Zentralperu) sind am 20. August 2023 beim Klosterparkfest in Hünfeld zu Gast – und freuen sich, über Ihre Arbeit zu informieren und bitten um Unterstützung.

Die Oblatinnen in Bambamarca

Im Februar 2023 haben die Oblatinnen ihre erste Kommunität außerhalb Europas gegründet. Sie sind nach Bambamarca gegangen, eine Stadt in Peru, hoch in den Anden gelegen.

Die Kommunität besteht aus 4 Schwestern: Sr. Teresa aus Peru, Sr. Asunción und Sr. Lidia aus Spanien und Sr. Kasia aus Polen.

Die Menschen in Bambamarca sind arm. Dies zeigt sich nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die Bildung. So gibt es eine hohe Analphabetenrate, insbesondere bei Frauen. Auch bestehen große soziale Ungleichheiten zwischen dem produzierenden Sektor wie den Kleinbauern und der weiterverarbeitenden Industrie.

Die Auswirkungen der Armut sind vielfältig:

  • Zunehmende Jugend- und Bandenkriminalität als Folge zerrütteter Familienverhältnisse, familiärer Gewalt sowie geringer Bildungs- und Arbeitsperspektiven. 
  • Hoher Alkohol- und Drogenkonsum insbesondere bei jungen Menschen.
  • Hohe Arbeitslosigkeit. Landflucht und ungeregeltes Bevölkerungswachstum in den Städten.
  • Zunahme des Schwarzmarkthandels.
  • Machismo und Diskriminierung von Frauen.
  • Verfall der ethischen und moralischen Werte in der Bevölkerung.

In diese Situation hinein hat der Bischof der Diözese Cajamarca die Oblatinnen gerufen.

Die Aufgaben der Oblatinnen

Begleitung und Ausbildung der Religionslehrer

Schwester Teresa begann sofort nach der Ankunft als Koordinatorin der Religionslehrer im ODEC (Diözesanbüro für katholische Bildung) der Region von Bambamarca zu arbeiten.

Der Religionsunterricht an den Schulen auf dem Land erfolgt meist durch Lehrer, die für diese Aufgabe nicht oder nur unzureichend ausgebildet sind. Dennoch sind dies oft die einzigen Personen, die den Menschen dort die Frohe Botschaft bringen, da diese Dörfer oftmals sehr weit von der Stadt entfernt und nur schwer über schlecht ausgebaute Straße zu erreichen sind.

Daher ist es eine entscheidende Aufgabe, diese Dorfschullehrer in der Glaubensvermittlung zu unterstützen; so halten die Schwestern Workshops zu spirituellen und pädagogischen Themen.

Ein großes logistisches Problem besteht hierbei allerdings in der schlechten Erreichbarkeit der in großer Entfernung liegenden 53 Schulen. Da die Schwestern kein eigenes Auto besitzen, sind sie auf die Sammeltaxis der Lehrer angewiesen, die allerdings nur frühmorgens und am späten Nachmittag fahren. Dies schränkt ihre Arbeit erheblich ein.

Pastoral für Studierende und Lehrende

Ein weiteres Missionsfeld ist die Universitätspastoral. Hier in Bambamarca befindet sich die Fakultät der "Agropecuaria" der Universität von Cajamarca.

Bei der Ankunft der Schwestern gab es keine Universitätspastoral. Vom ersten Moment an haben wir aber eine große Offenheit und Unterstützung von Seiten der Direktoren und Professoren erfahren. 

Seelsorge in den fernsten Dörfern

Ein dritter Schwerpunkt der Kommunität ist die liturgische und pastorale Begleitung der Menschen, die am weitesten von der Pfarreikirche der Stadt Bambamarca entfernt wohnen. Die Pfarrei umfasst mehr als 200 Dörfer, hat aber nur drei Priester, die noch dazu nicht nur aus der Diözese Cajamarca selbst kommen.

Der Priestermangel, die großen Entfernungen und der Zustand der Straßen führen dazu, dass nur einmal pro Jahr ein Priester in diese Dörfer kommt, meistens am Tag des Schutzpatrons der jeweiligen Kirche. Die Oblatinnen haben daher angeboten, zwei Dörfer pro Woche pastoral zu betreuen.

Dort sein, wo man gebraucht wird

Die Oblatinnen blicken mit Tatendrang auf diese Herausforderungen. „Zweifellos „tut sich für uns ein weites Feld auf“, wie der heilige Eugen sagte, denn immer öfter klopfen Menschen an unsere Tür und bitten uns, sie in ihren Novenen zu begleiten, Kranke zu besuchen oder einfach mal zu ihnen nach Hause zu kommen und unser Leben mit ihnen zu teilen“, erläutern die Schwestern.

Zukunft durch Bildung

Die katholische Schule „San Pio X“ in Huancayo

Bildung ist der Schlüssel, um Armut zu überwinden und die Menschen zu einem selbstbestimmten Leben zu führen. Auch in Peru bedeutet dies, neben Allgemeinwissen solide Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien zu erwerben.

Dafür will die katholische Schule „San Pio X“ investieren.

Die Schule liegt in der Stadt Huancayo, ca. 300 km östlich von Lima in den Anden auf über 3.000 m Höhe und besteht seit 1953. Schwerpunkt der Schule ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus der unteren Mittelschicht in den Außenbezirken der Stadt Huancayo.

Dabei stützt sich die Arbeit der Schule nicht nur auf christliche Werte und die Pflege der Spiritualität der Schüler, sondern fördert auch die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe der Region: den vorspanischen, spanischen und katholischen Wurzeln der Bewohner.

Das Kollegium der Schule hat große Ziele, die weit mehr als klassische Schulbildung umfassen. Die Lehrerinnen und Lehrer möchten, dass die Schülerinnen und Schüler als reife, beziehungsfähige und gebildete Menschen die Schule abschließen. So hat sich die Schulgemeinschaft in ihrem Leitbild vorgenommen, „bis 2026 eine diözesane Bildungseinrichtung zu sein, die sich an einer integralen Ökologie orientiert, die Katholiken ausbildet, die sich für die Umgestaltung der Gesellschaft engagieren, die für die Pflege der Umwelt verantwortlich sind, die sich durch eine ausgezeichnete akademische Ausbildung, durch das Leben ethisch-christlicher Werte und durch die Zugehörigkeit zu soliden, durch Liebe gestärkten Familien auszeichnen.“

Ein Projekt für die Zukunft

Im aktuellen Projekt der Schule geht es um ein Computerzentrum. Das ist dringend notwendig, um die Schüler auf die Anforderungen ihres Arbeitslebens vorzubereiten. Zudem ermöglicht es den Kindern und Jugendlichen, in freien Zeiten selbstständig und nach eigenem Tempo zu lernen. Gerade für Kinder aus den ärmeren Schichten stellt das Zentrum zudem eine der wenigen Gelegenheiten dar, von digitalen Programmen zu profitieren und sich zu vernetzen.

Trotz seiner Relevanz muss das Projekt aber vollständig aus Spenden finanziert werden. Insgesamt geht es um einen Betrag von 15.757 Dollar. Damit sollen insgesamt 27 Computer inkl. Zubehör wie Tastaturen etc. angeschafft werden. Dies entspricht ungefähr 550 € pro Arbeitsplatz.