Wenn das kein Grund zum Feiern ist
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Mittwoch, 5. April 2023
Stichwort: Gründonnerstag

Wenn das kein Grund zum Feiern ist

Ich denke manchmal noch an meine erste Karwoche, die ich im Kloster erlebt habe. Das ist jetzt zwar schon  31 Jahre her, aber sie ist mir noch gut in Erinnerung. Die Feier der Kartage im Bonifatiuskloster hat sich kaum von der in meinem katholisch geprägten Heimatdorf unterschieden. Es ging sehr ruhig und besinnlich zu und die Gottesdienstzeiten haben den wichtigsten Platz im Tagesablauf eingenommen. Überrascht hat mich im Kloster aber der Gründonnerstag. Nach der Abendmahlsfeier gab es ein besonderes Essen, eine Feier, die ich als Kind oder Jugendlicher daheim nie erlebt hatte. Ich war verwundert, dass das der Auftakt der Kartage im Kloster sein sollte.
Damals hat das bei mir einige Fragen aufgeworfen: Warum feiern Ordensleute den Gründonnerstag so froh? Ist ein schönes Essen nach der Abendmahlsmesse wirklich angemessen? Wenn man das Festgeheimnis des Gründonnerstags betrachtet, ist das gar nicht mehr so verwunderlich.
In der heiligen Woche feiern wir das Geheimnis unserer Erlösung. Gott liebt den Menschen und hat ihn zum Heil berufen und zur Erlösung ausersehen. Dieses Erlösungswerk verdichtet sich in den Kar- und Ostertagen. Jesus Christus ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen, von Gott, dem Vater, gesandt und mit dem Heiligen Geist ausgestattet, um die Erlösung zu vollbringen. Er gibt sich hin für uns, dieses große Geschenk halten wir in diesen Tagen in dankbarer Erinnerung.

Jeder Tag der heiligen Woche beleuchtet dabei einen besonderen Aspekt des Heilsgeschehens. Am Gründonnerstag feiern wir die Einsetzung der heiligen Eucharistie. In ihr wird das Opfer Christi gegenwärtig, wenn wir uns zur Feier in der Gemeinde versammeln. Sie ist Kraftquelle und Mittelpunkt des ganzen kirchlichen Lebens. Alles, was in der Kirche geschieht, geht von der Eucharistie aus oder führt zu ihr hin. Die Forderung Jesu »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (Lk 22,19) gilt auch heute noch, gilt auch uns. Die Feier der Eucharistie ist nämlich nicht nur ein Gedächtnismahl, in ihr bleibt Christus selbst gegenwärtig. Deshalb ist sie das Zentrum der Gemeinschaft der Kirche und ist zugleich ihre Kraftquelle.

So betrachtet, macht die Feier, die ich am Gründonnerstagabend im Kloster erlebt habe Sinn. Wenn wir im Glauben und Vertrauen auf das Geheimnis des Tages schauen und uns vor Augen halten, welch großes Geschenk wir erhalten haben, dann ist es gut, diesen Tag zu feiern. Es geht eben nicht nur darum, an längst Vergangenes zu erinnern. Es geht darum, sich vor Augen zu halten, wer wir sind: Kinder Gottes, Glieder seiner Kirche, denen sich der Herr in der Eucharistie selbst schenkt. Gott selbst will das Zentrum der christlichen Gemeinde sein und den Gläubigen Kraft geben. Wenn das kein Grund zum Feiern ist, was denn bitte dann?

Am Abend des Gründonnerstags wird die Messe vom letzten Abendmahl gefeiert. Während des Gottesdienstes kann auch die Fußwaschung vollzogen werden.
In Erinnerung an das  Gebet Jesu am Ölberg finden in vielen Kirchen nach dem Gottesdienst eine so genannte Ölbergstunde statt.
Andere Gemeinden kennen auch den Brauch einer gemeinsamen Agape.