Warum Fasten viel bedeutet
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Orientierung
Freitag, 27. Februar 2026

"Ordnet ein heiliges Fasten an"

Niemals habe ich derartige Berge von Pommes und Falafeln gesehen wie im abendlichen Nazaret 2018. Die Muslime begingen damals Ramadan und Nazaret ist eine sehr muslimische Stadt. Überall leuchteten Lichtgirlanden, wie bei uns zu Weihnachten. Über Tag herrschte eine quirlige, aber doch entspannte Stimmung. Dann, kurz vor Sonnenuntergang, war es, als breche Panik aus: Die Straßen waren voll und ein Stau reite sich hinter den anderen. Denn die muslimischen Einwohner strömten nach Hause oder in die Restaurants, zum abendlichen Fastenbrechen. Als ich eine Stunde später auch ins Restaurant ging, wurde es gerade von den ersten Gästen verlassen, während viele noch tafelten: Berge von Pommes, Falafeln und Lammspießen, die von einer Lichtmischung aus Lampions und Neonröhren beleuchtet wurden. Für mich als westlich geprägter Mitteleuropäer fühlte es sich wie eine seltsam fremde Form des Fastens an. 

Doch Fasten ist mehr als Diät, sondern eine bewusste Unterbrechung des Gewohnten. Und: Fasten treffen wir auch in Deutschland in vielen verschiedenen Varianten: Von Christen im Westen wird es sehr individuell und eher leger praktiziert: Keine Süßigkeiten, kein Fleisch, mal eine App löschen. Die Muslime, für die der Ramadan dieses Mal in die Zeit von  Februar bis März fällt, ist es härter: Sie dürfen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder Nahrung noch Getränke zu sich nehmen – dafür aber danach so viel essen, wie sie wollen. 

Christentum - in der Nachfolge Jesu

Mose fastete vor dem Empfang der Zehn Gebote, Elija fastete ebenfalls, während er zum Berg Horeb reiste, Jesus verbringt 40 Tage ohne Nahrung in der Wüste, bevor sein öffentliches Wirken beginnt. 

Im Christentum wurde über die Jahrhunderte eine Vielzahl an Fastenformen entwickelt.

Das westliche Christentum – eine große Fastenzeit

Die bekannteste Fastenzeit ist die vierzigtägige vorösterliche Phase. In der westlichen Kirche beginnt sie am Aschermittwoch und endet am Ostersonntag. In dieser Zeit bereiten sich die Gläubigen durch Gebet, Buße und bewusstes Verzichten auf das Fest der Auferstehung vor. Dieser Zeitraum erinnert direkt an die 40 Tage Jesu in der Wüste und ist in vielen christlichen Traditionen zentraler Bestandteil des Kirchenjahres. 

In der katholischen Kirche gilt an Aschermittwoch und Karfreitag eine verpflichtende Fastenregel: nur eine volle Mahlzeit und zwei kleinere Stärkungen sind erlaubt, und an den Freitagen der Fastenzeit ist Abstinenz von Fleisch üblich. Daneben gibt es Empfehlungen zu Gebet und Werken der Nächstenliebe, die mit dem Fasten verknüpft sind. 

Vorschau Muslime Gebet
Im Ramadan besuchen die Menschen häufiger die Moscheen. Foto: Masjid Pogung Dalangan (unsplash)

Islam – Der Weg zur inneren Wachsamkeit

Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam – neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der Almosenpflicht und der Pilgerfahrt nach Mekka. Es ist damit keine freiwillige Frömmigkeitsübung, sondern eine religiöse Verpflichtung für alle gesunden erwachsenen Muslime. 

Fasten bedeutet im Ramadan: Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang wird vollständig auf Essen, Trinken, Rauchen und eheliche Intimität verzichtet.

Nach Sonnenuntergang wird das Fasten traditionell mit einer Dattel und Wasser gebrochen. Vor Morgengrauen nehmen viele Gläubige eine letzte Mahlzeit ein, bevor der neue Fasttag beginnt.

Ziel des Ramadan ist die Entwicklung einer inneren Wachsamkeit: das Bewusstsein: Gott sieht das eigene Handeln und begleitet es. 

Das Fasten soll helfen, Begierden zu zügeln, Geduld einzuüben und sich selbst besser kennenzulernen. Hunger und Durst erinnern an die eigene Abhängigkeit – und an die Situation von Menschen, die nicht freiwillig verzichten, sondern unter Mangel leiden. Deshalb ist der Ramadan eng mit der Almosenpflicht verbunden.

Neben der persönlichen Disziplin ist der Ramadan auch ein starkes Gemeinschaftserlebnis. Familien und Nachbarn treffen sich zum gemeinsamen Fastenbrechen. Moscheen sind gut besucht, insbesondere während der nächtlichen Gebete.

Buddhismus – Gegen die Unruhe des Geistes

Im Buddhismus gehört maßvolles Essen zu den grundlegenden Disziplinen des monastischen Lebens. Mönche und Nonnen essen traditionell nur vormittags; nach der Mittagszeit wird keine feste Nahrung mehr aufgenommen. Diese Praxis dient der Förderung von Achtsamkeit und Selbstbeherrschung. 

Fasten im strengen Sinn – also längerer vollständiger Nahrungsverzicht – spielt im Buddhismus eine geringere Rolle als im Christentum oder Islam. Entscheidender ist die Haltung der Mäßigung. Extreme Askese wird sogar ausdrücklich kritisch gesehen. 

Fasten ist hier eine Übung in Selbstbeobachtung und geistiger Klarheit. Der Körper wird bewusst diszipliniert, um die Unruhe des Geistes zu beruhigen.