Heiligkeit zwischen Wäschebergen und Wutanfällen
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Orientierung
Donnerstag, 18. Juni 2026

Heiligkeit zwischen Wäschebergen und Wutanfällen

Da liegt das Kind auf dem Boden und strampelt vor Wut. Da knallt die Tür und kippt das Wasserglas. Da muss die Wäsche gewaschen, die Spülmaschine ausgeräumt und das Klo geputzt werden. Und mittendrin soll Heiligkeit wachsen.

Der verstorbene Papst Franziskus sagte: Genau hier, im ganz normalen Alltag, nicht im perfekten Leben – wächst Heiligkeit.

Wachstum statt Idyll

Das klingt einfach, aber es ist es nicht. In Predigten, Medien und in unseren eigenen Vorstellungen begegnen uns immer wieder „Fantasien einer idyllischen und vollkommenen Liebe“ (Amoris Laetitia 14). Solche Idealbilder können entmutigen. Denn das eigene Familienleben wird ihnen nie ganz entsprechen. Es kennt nicht nur Glück und Freude, sondern auch Müdigkeit, Erschöpfung und Streit, Krankheit, Schmerz und Tod.

Statt gegen diese Wirklichkeit anzukämpfen und unerreichbaren Idealen nachzueifern, hilft ein anderer Blick: Familie muss nicht perfekt sein. Es genügt, gemeinsam unterwegs zu sein. Manches gelingt gut, anderes weniger. Aber schon die Mühe zählt.

Details statt Perfektion

Diese Mühe zeigt sich im Alltag meist in kleinen Dingen, nicht im großen Kraftakt.

Da ist zum Beispiel die Art, wie wir miteinander sprechen. Franziskus nennt drei einfache Worte für ein gelingendes Miteinander:

„Darf ich?“ – Ich respektiere den anderen.
„Danke!“ – Ich sehe, was der andere tut.
„Entschuldige!“ – Ich merke, wenn ich jemanden verletzt habe.

Doch es bleibt nicht bei Worten. Gerade im Tun zeigen sich die vielen kleinen Gesten der Liebe: Wäsche, die zusammengelegt im Schrank liegt. Absprachen, die eingehalten werden. Eine Nachricht, die freundlich erinnert, statt Vorwürfe zu machen. Kleine Details, die sagen: Du bist mir wichtig.

Auch in den biblischen Geschichten geht es oft um das Kleine. Jesus Christus achtet auf ein verlorenes Schaf und auf eine unscheinbare Spende. Er sorgt für seine Freunde – ganz praktisch. So wird deutlich: Wo Menschen füreinander sorgen, ist er selbst gegenwärtig.

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Beziehung statt Pflicht

Im Alltag gehen solche Zeichen leicht unter. Zwischen Stress, Müdigkeit und Konflikten fehlt oft der Blick dafür. Umso wichtiger sind Momente des Innehaltens.

Ein solcher Moment ist das Gebet. Es kann den Blick verändern. Langsam wird klarer, was jetzt wichtig ist: eine kleine Geste, ein freundliches Wort, eine notwendige Entschuldigung. Nicht, weil wir uns besonders anstrengen, sondern weil wir uns von Gott her neu ausrichten lassen.

Manchmal genügt dafür schon Stille. Einfach da sein vor Gott, ohne viele Worte. Sich anschauen lassen. Ein solches Gebet ist Beziehung – Zeit mit Gott, wie mit einem guten Freund oder einer guten Freundin.

Geschenkt statt gemacht

Aus dieser Beziehung kann eine Haltung wachsen: Geduld mit sich selbst und Vertrauen in Gottes Zeit. Seine Maßstäbe sind andere als unsere. Er drängt nicht, er überfordert nicht. Er lässt wachsen.

Das entlastet. Im Leben – auch im Familienalltag – muss nicht alles sofort gelingen. Nicht jedes Problem lässt sich schnell lösen. Manches darf reifen. Und vor allem: Nicht alles hängt an mir.

So wächst Schritt für Schritt etwas, das sich nicht erzwingen lässt: ein offenes Herz, Vertrauen und die Bereitschaft, sich beschenken zu lassen.

Vielleicht wächst genau so die Heiligkeit in der Familie – mitten im Wutanfall und zwischen den Wäschebergen.

Begleiter im Familienalltag

Heilige können Begleiter im Alltag sein – nicht als magische Problemlöser, sondern als Fürsprecher und Freunde im Glauben. Sie kennen das Leben mit all seinen Herausforderungen und können helfen, den Blick neu auszurichten. Gerade im Familienleben lohnt es sich, einige von ihnen näher kennenzulernen:

Die heilige Notburga von Rattenberg

steht für eine gesunde Ordnung von Arbeit und Ruhe. Der Überlieferung nach legte sie selbst die Arbeit nieder, als die Zeit für das Gebet gekommen war. Sie erinnert daran, dass Pausen kein Luxus sind, sondern notwendig – auch im oft vollen Familienalltag.

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Der heilige Josef von Nazareth

schließlich ist ein stilles Vorbild für das Leben in der Familie. Er sorgt, schützt und bleibt verlässlich – auch in unsicheren Situationen. Sein Vertrauen kann helfen, den eigenen Weg im Familienleben zu gehen.

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