Embede, Warbede und Wilbede
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Orientierung
Das Vorbild der Heiligen
Freitag, 30. September 2022
Embede, Warbede und Wilbede

Die Sorge um das alltägliche Leben

Oft macht es einem die Kirchengeschichte nicht einfach. Da stößt man auf Dinge, die es nie gegeben hat, die im historischen Verlauf aber für wahr gehalten wurden. So verhält es sich auch mit den drei Damen Embede, Warbede und Wilbede. Regional finden sich zudem zahlreiche Namensvarianten wie z.B. Ainbeth, Gwerbeth, Willebede. Es sind also „Heilige“, die keinen geschichtlichen Bezug haben. Bei der Reform des liturgischen Kalenders im Jahre 1969 hat die katholische Kirche dann auch folgerichtig reagiert. Der 16. September, der Gedenktag der Embede, Warbede und Wilbede, wurde im kirchlichen Heiligenkalender ersatzlos gestrichen.

Doch: So sehr die historische Existenz der drei heiligen Frauen bezweifelt werden muss, so unbestritten aber ist die Geschichte ihrer jahrhundertelangen Verehrung.

Ein Blick in die Vergangenheit: Wer waren Embede, Warbede und Wilbede?

Die heiligen Jungfrauen Embede, Warbede und Wilbede wurden im Volksmund auch als die drei „Beden“ bezeichnet. Das verdankt sich der gemeinsamen Namensendungen auf „-bede“. Die zeitgenössische Religionswissenschaft konfrontierte die Frömmigkeitsgeschichte der drei legendären Heiligen mit drei namensähnlichen germanischen Göttinnen: Ambet, Borbet und Wilbet.

Höchstwahrscheinlich wurde bei der Missionierung der Germanen der Götterkult um Ambet, Borbet und Wilbet in einen Heiligenkult umgewandelt. Solche kultischen Verschiebungen waren im Missionsgeschehen unter den germanischen Stämmen keine Seltenheilt. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Christianisierung der Germanen vom 4. bis zum 12. Jahrhundert dauerte. Wie genau die Übertragung des Kultes ins Christentum geschah, wissen wir heute leider nicht mehr. Ungeachtet dessen breitete sich der kirchliche Heiligenkult um Embede, Warbede und Wilbede nachweislich zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert aus. Das betraf vor allem den deutschen Sprachraum von Südtirol und Bayern. Ihre Verehrung war zudem am Oberrhein bekannt.

Um die Erfindung eines geschichtlichen Rahmens war man im Mittelalter nicht verlegen. Der Glaube stand über dem Wissen. Historische Genauigkeit war nicht gefragt. Die katholische Kirche ehrte die Jungfrauen Embede, Wilbede und Warbede fortan als Märtyrerinnen, die möglicherweise in der Mitte des 5. Jahrhunderts als Töchter eines namenlosen Frankenkönigs von den Hunnen um ihres Glaubens willen erschlagen worden waren. Andere sahen in ihnen Gefährtinnen der heiligen Ursula (4.Jh.).

Über jeden Zweifel erhaben ist heute die Tatsache, dass sich die Gläubigen über Jahrhunderte die drei himmlischen Fürsprecherinnen zu eigen machten. Den Inhalt des ursprünglichen germanischen Götterkults um Ambet, Borbet und Wilbet, welche die Naturgewalten von Erde, Sonne und Mond repräsentierten, behielt man bei. Wie im germanischen Vielgötterglauben rief man Embede, Wilbede und Warbede nun bezüglich aller Sorgen um Fruchtbarkeit sowie um den Schutz bei der Ernte, bei Geburt, Krankheit und Tod an. Ihre Patronate erstreckten sich somit auf Haus und Hof, Feld und Wald, Mensch und Vieh.

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Darstellung der drei Beden in der Kirche St. Alto in Leutstetten, die hier Ainpet, Gberpet und Firpet genannt werden

Ein Blick in die Zukunft: Was könnte die historische Verehrung der Embede, Wilbede und Warbede für uns bedeuten?

Keine Frage: Heilige, die es nie gegeben hat, kann man nicht verehren! Deshalb wurde der Gedenktag der hl. Embede, der hl. Wilbede und der hl. Warbede auch aus dem römischen Kalender gestrichen. Sie waren ja auch nie heiliggesprochen worden. Ebenso hatte es kirchlicherseits zu keiner Zeit Anstrengungen gegeben, den Kult zu bestätigen. Die religionsgeschichtlichen Bedenken waren wohl immer zu stark.

Dennoch macht es meines Erachtens Sinn, sich an das Dreigestirn zu erinnern. Die Sorgen um Haus und Hof, Feld und Wald, Mensch und Vieh sind ja geblieben. Wir nennen das heute nur anders. Sorgen wir uns doch sehr um unsere Existenz, die Welternährung, den Klimaund Lebensschutz, das Familienleben usw. Wie einige andere „Heilige“ auch haben Embede, Wilbede und Warbede im Lauf der Geschichte den historischen oder wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht standhalten können. Was diese, vielleicht aus menschlicher Sehnsucht heraus, „erfundenen Heiligen“ aber von Gottes Wesen vermitteln konnten, behält seine Gültigkeit!

Gebet

Herr Jesus Christus,

in den mythischen Figuren Embede, Wilbede und Warbede haben unsere gläubigen Vorfahren Garanten göttlichen Schutzes für Haus und Hof, Feld und Wald, Mensch und Vieh gesehen. Sie erbaten von Gott Heil und Wachstum. Mein Alltag vollzieht sich in ganz anderen Kategorien, unter ganz neuen Vorgaben und Maßstäben.

Dabei treibt mich die Sorge um das alltägliche Leben um wie nie. Glauben und Leben zusammenzubringen fällt mir allgemein immer schwerer. Befähige mich und alle die zu mir gehören mit Deiner spürbaren Zuwendung zu einem zeitgemäßen und authentischen Leben aus dem Glauben.

Herr Jesus Christus, sei mir nicht Richter, sondern erbarmender Erlöser. Amen.

Foto:

Embede 1: Wolfgang Rieger, Wikimedia Commons