Bedürftige Familien könnten viel mehr Hilfen abrufen
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Samstag, 12. November 2022
Armut in Deutschland

Bedürftige Familien könnten viel mehr Hilfen abrufen

Berlin- Arme Familien in Deutschland rufen offenbar deutlich weniger Hilfen ab, als ihnen eigentlich zusteht. „Wir könnten rund 300 Millionen Euro mehr an bedürftige Familien auszahlen“, sagte der Chef der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit, Karsten Bunk, der „Welt“ (Freitag): „Viele Familien kennen den Kinderzuschlag gar nicht. Oder sie beantragen ihn nicht, weil ihnen das zu kompliziert ist.Ich schätze, dass wir mehreren hunderttausend Kindern zusätzlich helfen könnten.“ Der Kinderzuschlag war 2005 im Zuge der Hartz-IV Reform für Geringverdiener eingeführt worden. Heute beträgt er maximal 229 Euro monatlich pro Kind. Im vergangenen Jahr zahlte der Staat nach Angaben der Familienkasse rund 1,3 Milliarden Euro an 300.000 bedürftige Familien. 730.000 Kindern kam die Unterstützung zugute.
„Verschiedene Studien gehen davon aus, dass mindestens eine Million Kinder anspruchsberechtigt wären“, fügte Bunk hinzu: „Wenn man das grob überschlägt, würden wir also rund 300 Millionen Euro mehr an bedürftige Familien auszahlen.“ Grundlage für die Berechtigung sind Einkommen und Unterhaltskosten der Familie. Auch ein erhöhter Heizkostenbescheid könnte dazu führen, dass eine Familie in die Berechtigung für den Kinderzuschlag rutscht. Eine Familie mit drei Kindern mit einem Bruttoeinkommen von 4.800 Euro und einer Warmmiete von 990 Euro etwa wäre noch im vergangenen Sommer knapp nicht anspruchsberechtigt gewesen. Erhöht sich nun die Warmmiete im Winter durch die gestiegenen Heizkosten etwa auf 1.290 Euro, hätte die Familie ab sofort Anspruch auf den Kinderzuschlag, so der Behördenchef. (KNA)