Movimento Giovanile Costruire
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Junge Perspektive
Im Gespräch
Donnerstag, 12. März 2026

Sie hören auf die Wünsche des Herzens

Die Mission mit der Jugend gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Oblatenmissionare. Dabei wird sie in jedem Land anders gelebt. In Italien ist das Movimento Giovanile Costruire prägend für diese Mission. DER WEINBERG sprach mit Pater Luca Polello OMI, dem nationalen Assistenten der Jugendbewegung und Veronica Kallarakkal, die sich dort engagiert.

Vorschau Pater Luca Polello OMI und Veronica Kallarakkal

Pater Luca Polello OMI

Pater Luca Polello OMI ist seit 2009 Oblatenmissionar. Er gehört zur Mittelmeerprovinz. Seit 2023 ist er nationaler Assistent der Jugendbewegung Movimento Giovanile Costruire. Aktuell lebt er in der Kommunität in Palermo, wo er sich besonders für die katholische Migrantengemeinschaft engagiert.

DER WEINBERG

Was ist das Movimento Giovanile Costruire?

Pater Luca Polello OMI

Die Jugendbewegung Movimento Giovanile Costruire (MGC) entstand aus der missionarischen Erfahrung der Oblatenmissionare in der Gemeinde Marino, einer Stadt in der Nähe von Rom, Ende der 1980er-Jahre. Sie entwickelte sich als eine Lebensform, die junge Menschen inspiriert, sich als Baumeister wiedererkennen, um am Reich Gottes mitzuwirken – statt nur passiv dabei zu sein. Was die Bewegung und die jungen Menschen in ihr verbindet, ist die Leidenschaft, für andere zu leben, und das Engagement für die Armen.

Veronica Kallarakkal

Das Movimento ist ein Ort, an dem junge Menschen eine Gemeinschaft aufbauen, wo sie einander verstehen und gemeinsam ihren Glauben entdecken.

DER WEINBERG

Wie ist die Struktur der Bewegung?

Pater Luca Polello OMI

Die wichtigsten Orte sind die sieben lokalen Gemeinschaften, die in ganz Italien vertreten sind und die insgesamt 350 Mitglieder haben. Jede lokale Gruppe wird von zwei Sekretären und einem Assistenten geleitet, der fast immer ein Oblatenmissionar ist. Wir haben auch ein nationales Sekretariat, wo gemeinsame Aktivitäten zwischen den lokalen Gruppen geplant werden.

DER WEINBERG

Wie findet das gemeinsame Leben in den Ortsgruppen statt?

Veronica Kallarakkal

Normalerweise treffen wir uns etwa einmal im Monat oder auch alle zwei Wochen. Wir wählen ein Thema aus, das für uns wichtig ist und sprechen gemeinsam darüber – häufig mit dem Oblaten, der unserer Gruppe zugeteilt ist. Wir tauschen uns außerdem über unser Leben aus, insbesondere darüber, wie Gott zu uns spricht. Außerdem nehmen wir uns regelmäßig im Jahr Zeit für die Missionen und für Gemeinschaftswochen, zu denen wir drei oder vier Tage zusammenbleiben.

DER WEINBERG

Welchen Einfluss hat die Spiritualität Eugen von Mazenods auf die Bewegung?

Pater Luca Polello OMI

Das erste Element ist der Wunsch nach einem Gemeinschaftsleben. Außerdem streben die jungen Menschen danach, neue Wege für die Evangelisierung zu eröffnen. Junge Menschen erkennen heute: Die Armen unserer Zeit sind oft ihre eigenen Altersgenossen. Es gibt also eine Verbindung zu Freunden, Klassenkameraden, Kommilitonen, die von Zerbrechlichkeit, Einsamkeit und Sinnlosigkeit geprägt sind. Das dritte Element ist die Berufungsfindung, denn die Bewegung zielt darauf ab, authentische und heilige Christen zu formen. Und zuletzt gibt es die kirchliche Dimension: Die Bewegung möchte der Kirche und der Menschheit dienen. Die jungen Menschen erfahren sich in der Bewegung als Teil der Kirche.

DER WEINBERG

Was ist für Sie das Attraktive an der Spiritualität des heiligen Eugen von Mazenod?

Veronica Kallarakkal

Es geht darum, wie man sein Leben für andere einsetzt. Das Großartige daran ist: Jeder von uns hat dabei einen eigenen Weg. Wir können Jesus nachfolgen und unser Leben für andere einsetzen, auch mit unseren Schwächen. Auf diese Weise finden wir unseren Platz in der Welt.

Entscheidend dafür ist das Gemeinschaftsleben: In Italien haben wir jungen Leute immer ein bisschen Angst, unseren Glauben zu teilen. Denn in unserem Alltag gibt es kaum Menschen, die tatsächlich an Gott glauben oder offen über ihren Glauben sprechen. Man wird immer irgendwie verurteilt oder es heißt, die Kirche sei böse und man müsse ihr nicht folgen. Für mich und auch für viele meiner Freunde oder junge Menschen, die ich kenne, war und ist es etwas schwierig, im Alltag wirklich wir selbst zu sein.

Zuerst hatte ich große Angst, offen über meinen Glauben zu sprechen. Aber als ich dann der Bewegung beitrat, habe ich entdeckt: Es gibt andere Menschen wie mich, die wirklich ihrem Weg mit Gott folgen wollen. Darin fand ich die Kraft zu sagen: Ich bin nicht allein. Ich kann das schaffen. Und ich kann auch in meinem Alltag hinausgehen und ohne Angst Zeugnis ablegen für das, woran ich glaube.

DER WEINBERG

Was sind ihre Hoffnungen für die Zukunft der Bewegung und der jungen Menschen?

Pater Luca Polello OMI

Ich habe zwei Hoffnungen: Erstens, dass die Oblaten die Mission mit der Jugend weiterhin als wesentlich betrachten und die jungen Menschen selbst sich dafür verantwortlich fühlen. Und meine zweite Hoffnung ist, dass die Bewegung für die Kirche und die Mittelmeerprovinz von Bedeutung sein wird, da die jungen Menschen von heute die Laienmitglieder der Zukunft sein werden. Und warum nicht auch die zukünftigen Oblaten oder geweihten Mitglieder unserer Provinz?

Veronica Kallarakkal

Ich hoffe, dass junge Menschen auf die Wünsche hören, die sie in ihrem Herzen tragen, um wirklich zu entdecken, wer sie sind, und die Kraft zu haben, diesen Traum zu verfolgen.