Frieden lernen – mit Geschwistern
Vorschau Geschwister Schnee
Junge Perspektive
Freitag, 9. Januar 2026

Frieden lernen – jeden Tag

„Kaum habe ich mich umgedreht, streiten sie sich schon wieder.“
Ein Gedanke, der vielen Eltern bekannt vorkommt. Besonders, wenn die Kinder in der Trotz- oder Autonomiephase (zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren) oder in der Pubertät stecken, hängt der Haussegen häufig schief. Forscher haben nachgezählt: Circa alle zehn bis siebzehn Minuten streiten sich Geschwister im Durchschnitt, das heißt ungefähr drei- bis sechsmal pro Stunde.

Warum streiten sich Geschwister?

Geschwister streiten sich um alles: ums Essen, ums Spielzeug oder um Regeln – immer scheint die eine das zu haben, was der andere gerade braucht; immer hat der kleine Bruder mehr bekommen; immer darf die große Schwester mehr. Der eigentliche Grund ist nebensächlich. Im Hintergrund steht etwas ganz anders: Die seelische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ist noch nicht so weit. Sie können ihre Gefühle noch nicht einordnen, finden das passende Verhalten noch nicht. Oft ist es daher so, dass Kinder und auch Jugendliche von Emotionen regelrecht „überrollt“ werden. Darum gilt: Je jünger das Kind, desto ungefilterter kommt das Gefühlschaos heraus – mit Schreien und Weinen, gelegentlich auch handgreiflich.

Und ohne Geschwister?

Auch Einzelkinder lernen alles, was Geschwister lernen – nur auf anderen Wegen. Sei es im Kindergarten oder in der Schule, sei es bei Hobbys oder im Spiel mit den Freundinnen und Freunden – auch hier begegnen sie Konflikten. Vor allem aber auch beim Streiten mit den Eltern. Die sind dann ganz besonders gefordert, nicht nur als Eltern Recht zu haben, sondern eine lösungsorientierte Streitkultur vorzuleben.

Vorschau Geschwister Eltern
Wie beenden wir den Streit? Eltern sollten Geschwistern helfen, selbst nach Lösungen zu suchen – und sich nicht in die Schiedsrichterrolle drängen lassen. Foto: Curated Lifestyle (unsplash)

Wie können Eltern unterstützen?

Beobachten und Begleiten
Zum Glück müssen Eltern nicht alle zehn Minuten einen Streit schlichten: In den meisten Fällen regeln die Kinder das gut unter sich. Und meist bekommen Eltern nur einen Teil des Geschehens mit – und die Frage: „Wer hat angefangen?“ hilft da auch nicht weiter. Besser ist dann die Frage: „Wie kann der Streit aufhören?“ Denn darum geht es: um Lösungen, nicht um Schuld. Natürlich müssen Eltern eingreifen, wenn Kinder sich verletzen könnten oder wenn mehrere gegen eines stehen.

Vorleben
Kinder lernen am Beispiel der Erwachsenen. Und da hilft ein ehrlicher Blick: Wie steht es um meine eigene Streitkultur? Es geht nicht um Perfektion, nicht darum, jeden Augenblick gelassen den Konflikt zu moderieren. Aber wenn es mir in der Familie und Partnerschaft gelingt, den einen oder anderen Konflikt lösungsorientiert zu gestalten, dann ist viel gewonnen. Dazu gehört auch, die eigenen Fehler einzugestehen oder das eigene Kind um Verzeihung zu bitten, wenn man im Alltagstrubel überreagiert hat.

Individuell lieben
Kein Kind ist wie das andere – darum ist es auch nicht möglich, Geschwisterkinder gleich zu behandeln. Zudem wäre es oft ungerecht: Jedes Kind hat eigene Bedürfnisse. Hilfreich ist es, wenn es regelmäßig Zeiten gibt, in denen die Kinder die Eltern für sich haben, auch wenn es nur zehn Minuten sind. Eine zentrale Aufgabe der Eltern: Keine Zwietracht zwischen Geschwistern säen. Nicht vergleichen („Dein Bruder hilft immer so schön mit“), nicht in Schubladen drücken („Du bist halt unsere kleine Chaotin“).

Geduld mit sich und den Kindern
Gerade im Bezug auf Emotionen und Konflikte zeigt sich: Erziehung ist kein Sprint, sondern eine lange Wanderung. Lernen geschieht in winzigen Schritten, besonders beim Umgang mit Frust, Konflikten und Gefühlen. Und manchmal kommt einfach alles zusammen: Stress, Hunger oder schlechtes Wetter – und auch Geschwister haben manchmal einfach nicht ihren besten Tag.

Tipps, um einen Streit zu schlichten

  • Trennen Sie die streitenden Kinder, wenn diese sich gegenseitig verletzen.
  • Geben Sie den Kindern ausreichend Zeit, sich zu beruhigen. Wenn nötig, können sie sich auch in verschiedene Zimmer zurückziehen.
  • Lassen Sie jedes Kind erzählen, wie es zum Streit gekommen ist.
  • Urteilen Sie nicht und ergreifen Sie keine Partei.
  • Ermutigen Sie die Kinder, selbst nach einer Lösung zu suchen. Fragen Sie sie, welche Ideen sie haben.
  • Helfen Sie den Kindern, sich wieder miteinander zu versöhnen, sich zu entschuldigen und eine gerechte Lösung zu finden.

Quelle:
Elternbrief 17, in: Bayerischer Erziehungsratgeber
https://www.baer.bayern.de