Eine Schule, die Hoffnung stiftet, braucht Hoffnung
Unsere Schule „Mère du Bel Amour“ befindet sich in Ouanaminthe, nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik, in einer der ärmsten Regionen des Landes. Die wichtigsten lokalen Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft und der Handel, teilweise auch der Schmuggel über die Grenze. Unsere Region wird seit Jahrzehnten vernachlässigt und so leben 94 % der Bevölkerung in Armut, 84 % sogar in extremer Armut.
Die Schule „Mère du Bel Amour“ wurde 1989 von den Oblatenmissionaren gegründet, um besonders den Kindern der Armen und den Waisen den Besuch einer Schule zu ermöglichen. Derzeit ist sie ein Ort für 450 Schüler.
Ein Ort der Zuflucht
Trotz unserer geringen finanziellen Mittel eröffnet die Schule den Kindern die Chance auf Bildung und damit auf einen Weg aus der Armut. Unser Schulkonzept umfasst sowohl körperliche, intellektuelle, moralische als auch soziale Bildung. Unser Ziel ist es, dass unsere Schüler zukünftig ihren Lebensunterhalt ehrlich und in Würde verdienen können.
Doch ist die Schule nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch eine Zuflucht. Während der Sommerferien nehmen wir zahlreiche Menschen aus Port-au-Prince auf, die von Banditen aus der Hauptstadt vertrieben wurden; auch kommen Menschen aus Santo Domingo, die von den dominikanischen Behörden abgeschoben wurden.
Sanierungsstau
Allerdings steht die Schule seit einigen Jahren vor erheblichen Problemen. Die wirtschaftliche Lage in Haiti hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Dadurch können die Eltern immer seltener das schon geringe Schulgeld aufbringen. Das verringert unsere laufenden Einnahmen beträchtlich.
Gleichzeitig gibt es einen Sanierungsstau an unseren Gebäuden, die mittlerweile 37 Jahre alt sind. Die Bänke, Türen und Stühle sind fast alle kaputt. Besonders der Mangel an Bänken wiegt schwer, da viele Kinder den ganzen Unterricht über auf dem Boden sitzen müssen. Auch viele Wände sind baufällig und stark verwittert. Das macht es den Kindern schwer, angemessen zu lernen. Wenn es regnet, dringt zudem Wasser in die Räume ein.
Ein großes Ziel für uns ist der Bau eines eigenen Sanitärgebäudes. Aktuell haben wir keine Duschen und nur wenige funktionierende Waschbecken und Toiletten. Häufig müssen sich die Kinder lange anstellen, einige müssen daher auf dem Boden ihre Notdurft verrichten. Diese prekären hygienischen Bedingungen bergen gesundheitliche Risiken, weil sich Krankheiten schneller in der Schule ausbreiten. Viele Mädchen empfinden zudem großes Unbehagen, die Sanitäreinrichtungen zu nutzen, besonders während ihrer Menstruation. So kommen einige von ihnen in dieser Phase nicht in die Schule. Es ist daher dringend notwendig, die Schule mit einem modernen, sicheren und funktionalen Sanitärbereich auszustatten.
Ein neuer Pausenhof
Ein weiteres elementares Bedürfnis ist die Gestaltung des Pausenhofs. Wenn es regnet, können die Kinder nicht nach draußen, da sich der Pausenhof in Matsch verwandelt. Wenn dagegen die Sonne zu lange scheint, ist der Pausenhof staubtrocken.
Schüler, insbesondere in den ersten Jahren, benötigen aber einen Raum für ihre motorische und soziale Entwicklung – insbesondere, wenn sie aus sozial vernachlässigten und beengten Verhältnissen stammen. Ein gut gestalteter Schulhof spielt eine Schlüsselrolle bei der Verringerung aggressiven Verhaltens und der Verbesserung der Konzentration im Unterricht.
Die Situation wird noch dadurch erschwert, dass die Zahl der Schüler von Jahr zu Jahr steigt. Die Klassenzimmer sind daher zu klein. Einige Räume mussten wir schon teilen, um alle Schüler unterbringen zu können. In Zeiten großer Hitze wird die Luft dadurch stickig, den Kindern wird sehr heiß und sie können nicht im Klassenzimmer bleiben. Daher wollen wir die Schule erweitern, um neue Klassenzimmer einrichten zu können.
Erste Erfolge
Sie sehen, es läuft überhaupt nicht gut für unsere Schule, trotz aller Anstrengungen, die wir zum Wohle dieser ausgegrenzten, verzweifelten und von der Gesellschaft abgelehnten Kinder unternommen haben. Die Kinder fühlen sich manchmal gekränkt, benachteiligt und gedemütigt.
Dennoch können wir dank der Großzügigkeit von Spendern immer wieder Fortschritte verzeichnen. In diesem Zusammenhang danken wir der Missionsprokur der Oblatenmissionare und ihren Spendern für die Hilfe, die sie den Kindern dieser Schule geleistet haben. So konnten wir für einige Klassenzimmer neue Stühle und Bänke anschaffen. Nun sitzen die Kinder dort bequem und ihre Uniformen werden nicht mehr von Nägeln zerrissen.
Mit herzlichen Grüßen
in Jesus durch Maria!
Ihr Pater Jean Collin Seide OMI
Direktor der Schule „Mère du Bel Amour“