Ein Leben an der Seite der Armen
Mein Name ist Pater Ben M. Catanus. Ich stamme von den Philippinen, doch ich lebe seit fast 17 Jahren in Thailand. In dieser Zeit war ich in verschiedenen Pfarreien tätig, vor allem im Norden Thailands. Ich möchte Ihnen von meinen Erfahrungen in dieser Region berichten.
In meinem ersten Jahr in Thailand habe ich die Kultur, die Traditionen und die Sprache kennengelernt. Das war sehr herausfordernd, da die thailändische Sprache fünf Tonhöhen hat, die schwer zu erlernen sind.
Wir Missionare wenden uns vor allem an arme Gemeinden, um karitative Arbeit zu leisten – auch wenn die Mehrheit der Menschen dort buddhistischen Glaubens ist.
Eine Pfarrei mit 20 Gläubigen
Ich war von 2012 bis 2018 für eine Pfarrei in Chiangkhan an der Grenze zu Laos verantwortlich. Die Gemeinde dort hat nur etwa zwanzig Mitglieder. Bei vielen Besuchen erzählten sie mir von ihrem Leben, ihren Nöten und ihren Bedürfnissen. Ich traf dort alte und kranke Menschen, Behinderte, HIV-Positive, verlassene Mütter und viele andere.
Nach vielen Gesprächen und Gebeten ging ich daran, meine karitative Arbeit auf ihre Bedürfnisse auszurichten. Dafür benötigte ich finanzielle Mittel. Ich begann, religiöse Gegenstände wie Rosenkränze, Kreuze usw. herzustellen und zu verkaufen. Der Erlös floss in die Wohltätigkeitsarbeit.
Leider verfügten die Oblaten damals in Thailand über keine Einrichtung, um Einnahmen zu generieren, um die arme Gemeinde in der Mission zu unterstützen. Daher begann ich mit dem Aufbau eines De-Mazenod-Ausbildungszentrums, um Geld für unsere Arbeit zu verdienen. Glücklicherweise wurde das Haus 2017 dank der Hilfe der Mitteleuropäischen Provinz in Deutschland und der Missionsprokur fertiggestellt. Da das Haus auch bei Touristen beliebt ist, haben wir regelmäßige Gäste. Dieser Ort erzielt nicht nur Einnahmen, sondern dient auch als Stätte für Exerzitien, Besinnung, karitative Arbeit und Gebet.
Zur Unterstützung unserer Projekte haben wir außerdem ein Programm organisiert, in dem Ausländer – insbesondere Filipinos, Afrikaner, Singapurer usw. – sich an der Mission beteiligen, indem sie zum Beispiel arme Menschen besuchen.
Zeit im Seminar
Von 2018 bis 2020 war ich im Junioratsseminar eingesetzt. Wir nahmen dort Jugendliche vom ersten bis zum sechsten Jahr der Oberstufe auf. Die meisten von ihnen stammen aus zerrütteten Familien. Alleinerziehende Eltern sind in Thailand keine Seltenheit. Eine Scheidung ist für sie leicht möglich. Die Kinder sind die Leidtragenden dieses Problems. Auch ihre Berufung leidet darunter. Daher machen nur wenige unserer Schüler den nächsten Schritt auf dem Weg zum Ordens- und Priesterleben.
So gibt es auch bei uns eine Berufungskrise – aber wir hoffen, dass einige Jugendliche auf den Ruf Gottes hören. Wir brauchen Missionare, die in die abgelegenen Dörfer Thailands entsandt werden.
Den Verlassenen Vorrang geben
Von 2020 bis 2025 war ich als Pfarrer der Christ-the-King-Pfarrei in Loei tätig, ebenfalls im Norden Thailands gelegen. Einige der Gemeindemitglieder sind Geschäftsleute, und so konnten wir sie um Spenden bitten. Doch sie waren von der Pandemie stark betroffen, sodass sie uns nur wenig unterstützen konnten.
Auch in Loei gaben wir den am meisten Verlassenen Vorrang und halfen und unterstützten sie durch die Bereitstellung von Lebensmitteln, die Übernahme von Arztkosten und Transportmöglichkeiten. Aus dem abgelegenen Dorf Mankhaaw haben wir Menschen im Krankenhaus in der Stadt besucht und ihren Verwandten ermöglicht, auf dem Kirchengelände zu wohnen, damit sie nicht zu viel Geld ausgeben müssen.
Bildung als Ausweg
Im Juli 2025 wurde ich Pfarrer der Kirche „Heilige Familie“ in Mankhaaw. Dieses Dorf ist das am weitesten entfernte Dorf unserer Diözese Udon Thani. Die Dorfbewohner sind ehemalige Flüchtlinge aus Laos. Sie sind Opfer des Krieges in ihrem Heimatland, der vor fast fünfzig Jahren tobte. Es handelt sich um Angehörige des Hmong-Stammes. Französische und italienische Missionare halfen ihnen fast zwei Jahrzehnte lang in den Flüchtlingslagern.
Ihr Leben im Dorf ist beschwerlich: Die Straßen sind schlecht und der Weg zur Stadt weit und beschwerlich. Sechzig Prozent von ihnen sind als Katholiken getauft – damit ist es die drittgrößte katholische Gemeinde in unserem Bistum.
Die tägliche Arbeit der Dorfbewohner besteht darin, die Felder auf den Bergen zu bewirtschaften und dabei Gemüse und Obst anzubauen. Einige von ihnen besitzen ein kleines Stück Land, das zum Überleben ausreicht. Andere arbeiten als Tagelöhner auf den Höfen anderer Bauern. Für alle ist es hier schwer, mit der Landwirtschaft Geld zu verdienen: Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmittel sind teuer, während sie die Erzeugnisse nur billig verkaufen können. Das führt zu anhaltender Not und Schwierigkeiten im Alltag. Nur wenige Menschen entkommen daher der Armut.
Die Armut droht auch die Kinder festzuhalten, denn ihre Eltern können die Schulkosten häufig kaum aufbringen. Doch sie sind davon überzeugt: Bildung ermöglicht ihren Kindern eine bessere Zukunft. Daher haben wir Kontakt zu katholischen Schulen aufgenommen, um Stipendien zu erhalten, damit arme Schüler aus den Dörfern dort untergebracht werden können. Außerdem sorgen wir für den Transport der Schüler zur Schule. Damit erzielen wir erste Erfolge: Derzeit betreue ich dreißig Stipendiaten.
Wir suchen auch nach weiteren Einnahmequellen: Wir haben schon damit begonnen, Rosenkränze in Form von Armbändern herzustellen; der Erlös kommt den bedürftigen Schülern zugute. Wir wissen: Die Jugend ist die Zukunft der Gemeinde und der Kirche.
Ihr Pater Ben M. Catanus OMI